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"patent 3" mit Ulf Böttger am Spi auf dem Segel-Olymp

und gewinnt bei der Seesegel-Weltmeisterschaft gleich zwei Titel

Wie gewohnt begann die Segel-Saison 2010 wieder sehr früh für die "patent 3"-Crew, zu der nun schon seit vielen Jahren unser Mitglied Ulf Böttger als erfahrener Spifahrer gehört. Nur etwa drei Wochen, nachdem das Eis in der Travemündung aufgetaut war, lag "patent 3" schon im Wasser, und es wurden bereits Ende März bei 4° Wassertemperatur und 5° Lufttemperatur die ersten Trainingsschläge vor Travemünde absolviert.

Trotz eisigem Nordost-Wind um 5 Bft. sorgten etwa 50 Wenden und Halsen pro Trainingssession für einen respektablen Anstieg nicht nur des Adrenalinspiegels, sondern auch der Körperwärme. Übrigens genau die richtigen Bedingungen, um auch Schiff und Material auf Herz und Nieren zu prüfen. Ein bereits 2009 durchgeführter radikaler Umbau der Genua- und Großschotführung hatte sämtliche Erwartungen in eine bessere Handhabung bei Trimm und Manöver erfüllt, zeigte jedoch unerwartete Schwächen bei der Haltbarkeit der Beschläge, die während der Europameisterschaft 2009 aus dem Deck herauszubrechen drohten. Dieses Problem konnte nun, wie das Training zeigte, erfolgreich durch gezieltes Auflaminieren von Carbon-Schichten und Kevlar-Platten beseitigt werden. Das Training wurde komplettiert durch Teilnahme an der "Go-for-Speed"-Veranstaltung vor Kiel, die vom Deutschen Segler-Verband in Kooperation mit der Regattavereinigung Seesegeln und durch Unterstützung von Jesper Bank und seiner Elvström-Profitruppe sehr professionell organisiert wurde.

Mit fünf ersten Plätzen und einem dritten Platz, der gestrichen werden konnte, in der ORCi-Klasse 2 bei MAIOR konnte der Auftakt der Regattasaison für die "patent 3" nicht besser sein, zumal Allround-Eigenschaften gefordert waren. Denn diese Regattaserie begann am Freitag mit kräftigen Schauerböen, setzte sich mit besten Segelbedingungen am Sonnabend fort und schloss mit einem Leichtwind-Poker am Sonntag ab.

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Als Nächstes stand die Deutsche Meisterschaft Offshore während der Nordseewoche vor Helgoland auf dem Plan. Natürlich eigentlich mit "patent 3". Ein zwischenzeitliches Angebot von Edde Bock, berühmter ehemaliger Admiral-Cup-Segler und derzeit Marketing-Chef der Hanse Yachts AG, erschien so interessant, dass man sich entschloss, mit einer eigens für den Regattaeinsatz präparierten werftneuen Dehler 32RS unter dem Namen "Sporthotel patent" an den Start zu gehen. "Dieses Projekt war für uns eine völlig neue Erfahrung, und es hat sehr viel Spaß gebracht, jedoch hatten wir die Kürze der Vorbereitungszeit unterschätzt, um dieses Projekt auch nur annähernd auf "patent"-Niveau zu bringen" begründet Jürgen Klinghardt die Platzierung im Mittelfeld bei der Deutschen Meisterschaft Offshore. Dass dennoch in der Kürze der Zeit eine Leistungssteigerung zu erkennen war, zeigte der erste Platz in der Klasse ORC 2 bei der Rückregatta nach Cuxhaven.

Zur Kieler Woche, die zum jährlichen Pflichtprogramm gehört, sind dann Eigner Jürgen Klinghardt und seine Crew wieder auf "patent 3" zurückgekehrt. Zwar wurde ein zweiter Platz bei der Regatta Kiel - Eckernförde, ein erster Platz bei der Regatta Eckernförde - Kiel und ein weiterer erster Platz beim Senatspreis in der Klasse ORCi 2 ersegelt. Jedoch enttäuschte ein sechster Platz bei der Deutschen Meisterschaft Inshore, die während der Kieler Woche ausgesegelt wurde. Jürgen Klinghardt erklärt sich diesen Einbruch so: "Es war eine reine Flauten-Serie, niemals mehr als 5 kn Wind. Dies waren die idealen Bedingungen für die neuen übertakelten 35ft.-Yachten. Dennoch glaube ich, dass wir hier unter unserem Potenzial gesegelt sind."

Die Teilnahme an der Travemünder Woche wurde zur Vorbereitung auf die bevorstehende Weltmeisterschaft genutzt. Durchweg bei Starkwindbedingungen beendete "patent 3" jede der vier Up-and-down-Kurzzeitfahrten und der beiden Mittelstrecken als beste Yacht nach berechneter Zeit über alles. Einmal mehr zeigte sich die Stärke der "patent 3"-Crew gerade auch bei stärkeren Winden.

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Höhepunkt sollte die Weltmeisterschaft werden. Vom 6. bis zum 11. September kämpften in der Flensburger Förde und der westlichen Ostsee 49 Teilnehmer aus neun Nationen um den Weltmeistertitel, und zwar in zwei Divisions. "patent 3" wurde in die 30 Boote zählende Division Beta der mittelgroßen und kleineren Yachten eingruppiert. Diese Serie bot alles: Mastbrüche, Proteste, Zieleinläufe im Sekundentakt – und jede Menge Starkwind, wie es sich für eine WM der Hochseesegler eigentlich ja auch gehört. "Es war ein würdiger und hochkarätiger Wettkampf", stellte Dr. Wolfgang Schäfer, Vorsitzender des Ausschusses Seesegeln des DSV und Vizecommodore des Offshore Racing Congress (ORC), des Weltseglerverbandes für die Dickschiffsegler, fest. "patent 3", natürlich weiterhin mit Jens Tschentscher an der Pinne, dominierte die Division Beta von Anfang an, gewann, bis auf eine, alle sechs Kurzwettfahrten und am Ende die Weltmeisterschaft mit weniger als der halben Punktzahl der zweitplatzierten X-332 "Chinook" des Flensburger John Friedrichsen. Dabei war die Erwartungshaltung nicht zuletzt aufgrund der nicht so ganz befriedigenden Ergebnisse auf der Kieler Woche eher relativ. Jürgen Klinghardt: "Top five war unser Ziel, aber auf Sieg sind wir nie gesegelt. Denn wir konnten unsere Konkurrenz nicht genau einschätzen, da waren ja auch viele Profis, Werkscrews und einige Ausländer dabei, die wir nicht kannten." Dass die "patent 3"-Crew ihr Potenzial auch auf den Langstrecken und bei weniger Wind zeigen konnte, belegten ein dritter und ein vierter Platz bei den Langstrecken sowie die Tagessiege auf den abschließenden Kurzwettfahrten bei leichtem Wind. In der mit 19 Teilnehmern besetzten Division Alpha der großen Boote gewann Christian Plump mit seiner Crew auf "Beluga Sailing Team" die Weltmeisterschaft, was die "patent 3"-Crew ganz besonders freut, denn es besteht eine langjährige Freundschaft mit Christian und seinem Team.

Die "patent 3"-Crew besteht ausschließlich aus Amateuren. Da sie mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft auch sämtlichen Profi-Crews das Heck zeigte, wurde diese Leistung zusätzlich mit der so genannten Corinthian Trophy, dem WM-Preis für die beste Amateurcrew, belohnt.

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Auf die Frage, was den Erfolg ausgemacht hat, erwiderte Jürgen Klinghardt: "Unsere Teamarbeit ist unsere besondere Stärke. So sind wir in der Lage, stets alles zu tun, was der Taktiker verlangt. Ohne das Training wären wir aber sicherlich nicht so weit gekommen." Außerdem begründete der dreimalige deutsche Meister den Erfolg mit seinem Motto: "Boot und Material müssen 150% stimmen. Es darf keine Entschuldigung geben, was Schiff, Segel oder Rating betrifft." Und Ulf Böttger, der auch schon auf der X99 „patent2“ zur Stamm-Crew gehörte, ergänzt: „Außerdem können wir von unseren langjährigen Erfahrungen in den Einheitsklassen profitieren“.

Beendet wurde diese wider Erwarten sehr erfolgreiche Saison mit einem Sieg nach berechneter Zeit über alles bei der Abschlusswettfahrt Blaues Band/Flensburger Pilsener Cup bei der Flensburger Fördewoche.

Belohnt wurde das gute Saisonergebnis mit einem ersten Platz in der Rangliste, die „patent3“ in ihrer Klasse seit 2006 ununterbrochen anführt.

"patent 3" ist eine Yacht vom Typ X-332 sport von der bekannten dänischen Yachtwerft X-Yachts. Wer glaubt, dass es sich dabei um eine Rennziege handelt, irrt. Unter Deck des Performance-Cruisers findet sich eine wohnliche Inneneinrichtung mit allem denkbaren Komfort wie fließendes Wasser, Kühlschrank, Heizung und sogar ein Warmwasserboiler. "Gegenüber dem Werft-Standard haben wir das Boot unverändert gelassen; nur das Deckslayout haben wir selbstverständlich optimiert und dabei unsere Erfahrungen von der X-99 "patent 2" einfließen lassen" ergänzt hierzu Jürgen Klinghardt.

Die Weltmeister-Crew der "patent 3" bestand aus:

Jens Tschentscher, Steuermann

Andreas Hengstmann, Taktik und Großsegel

Erik Bittersohl, Genua-Trimm

Ulf Böttger (SVF), Spinnaker-Trimm

Thies Seemann, Genua-Abzieher und Spinnaker-Achterholer

Jürgen Klinghardt, Eigner und Pit

Marco Stanischewski, Mast und Vorschiff

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 03. Januar 2013 21:42

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