....wir treffen uns zum Grillen auf Anholt .....

 

 

 

 

Was als Blödelei von drei Freunden in den tristen Novembertagen des letzten Jahres begann, entwickelte schnell eine Eigendynamik. Volker Wolenski und zwei Freunde hatten die Idee, doch mal den Beginn eines Sommertörns mit dem Treffen von Segelfreunden zu verbinden. Es wurde eine FaceBook Gruppe aufgemacht und schnell hatten sich dort über 100 weitere Interessierte gefunden.

Gesegelt werden sollte Non-Stopp von Schleimünde nach Anholt, ohne jegliche Reglementierung und Wertung, ohne offiziellen Veranstalter, single-, double- oder egal wie viel Hände - just for fun.

Ein Name war auch schnell gefunden: Schleimünde-Anholt-Challenge (SAC).

Bereits am Vorabend trafen sich knapp über 20 Boote, teils im Hafen Schleimünde, teils in der halbfertigen Marina Olpenitz.


Ich hatte während der Jahreshauptversammlung von dieser Challenge von unserem SVF Mitglied Robert Möckel erfahren, der zusammen mit seiner Frau Anne Sell bereits ihre Dehler 35 gemeldet hatten.

Für mein Boot, die XIOS, eine Bavaria 32 Cruiser, war auch schnell eine Crew zusammengestellt: Dirk "Josie" Becker, Andreas Kösters, beide SVF, und zwei weitere Segelfreunde, Uwe Beinkinstadt aus Bremen  und Jochen Schmidt aus Flensburg.
Wie gesagt - wir trafen uns bereits nach einer Rauschefahrt (3 1/2 Stunden von Fahrensodde bis Olpenitz) am Sonntag Abend in Schleimünde, wo wir am Privatsteg von Tom Jacob festmachen durften.
Beim Besuch im Festzelt zum EM-Spiel gucken, lernten wir dann auch schon die Crews kennen, die in Olpenitz festgemacht hatten. Anschließend grillten wir bei Tom auf der Terrasse, um gut gestärkt am nächsten Morgen das Vorhaben anzugehen.

 

Bereits um 9 Uhr tummelten sich die meisten der gemeldeten Boote vor der imaginären Startlinie: Von den ursprünglich mehr als 30 gemeldeten Booten waren immerhin knapp 20 am Start, einige der angereisten mussten kurzfristig absagen wegen Motorschäden oder Ähnlichem. Es war so fast alles vertreten: Vom 20-Fuß-Boot, der Eigner ist extra aus Bayern angereist, bis zur 47-Fuß-Yacht und sogar ein Trimaran (der spätere Sieger) ist am Start.

Die Route ist frei wählbar. Wir haben lange über den Wind- und Strömungsvorhersagen gebrütet und uns dann für den Weg durch den Kleinen Belt entschieden, wie rund die Hälfte aller Teilnehmer. Die anderen wählen den Weg durch den Großen Belt - die bessere, aber auch eine kachelige Entscheidung, wie sich später herausstellt. Die große Frage ist, wann dreht der Wind auf Nordwest???

Ein tolles Bild bietet sich dann beim Start. Etliche haben schon die "bunten Tücher" oben, aber der Start ist ganz gemütlich. Keine Drängelei wie bei einer richtigen Regatta, sondern  brav neben bzw. nacheinander machen wir uns auf den Weg. Zehn Minuten dauert es bis alle die Startlinie hinter sich gelassen haben.

Als Startzeit wurde der 27. Juni, 10.00 Uhr, festgelegt, Startlinie war die imaginäre Linie zwischen Schleimünde Leuchtturm und der Ansteuerungstonne Schleimünde.

Es ist bewölkt, aber 4 -in Böen 6- Bft aus Süd bis Südwest versprechen einen tollen Segeltag.
Wir können leider mit unserem Gennaker nicht direkt vor dem Wind fahren; die, die ihre Spis oben haben, haben einen klaren Vorteil. Also halten wir erst mal grob auf Kalkgrund zu, um dann kurz vor Als, es ist inzwischen 11.30h, zu halsen. Und dann bricht für einen Moment auch mal die Sonne durch, und wir mit neuem Kurs 350° ab in den Kleinen Belt.

Der Wind nimmt zu und das Wetter wird ständig schlechter; gegen 1300 Uhr müssen wir den Gennaker einholen und versuchen es nur mit Groß und Genua.
Um 15.30 Uhr haben wir die Insel Årø querab, weiter geht's durch den Kleinen Belt. Über Funk und per Handy haben wir Kontakt zu anderen Booten. Die Fahrt durch den Großen Belt muss eine tolle Rutsche sein! Einige melden Geschwindigkeiten von 10-14 kts - nicht nur Jäger haben ihr Latein! Bei uns setzt kurz vor Middelfahrt -es ist inzwischen so halb sechs- Regen ein und der Wind wird sehr böig. Aber dann geht es auf neuen Kurs - Nordost und sofort ist der Gennaker oben. Aber so ganz zufrieden sind wir nicht, das Groß nimmt dem Gennaker zu viel Wind und eine Stunde später entscheiden wir uns, das Groß wegzunehmen und nur noch mit dem Gennaker zu segeln. Eine richtige Entscheidung: Denn nun geht die Post ab - mit 6-8 knots geht es in die Nacht.

 

 

Der Himmel reißt zum Sonnenuntergang auf - ein tolles Bild!

Und immer sehen wir andere Teilnehmer, der eine versucht westlich von Tuno den richtigen Strom zu finden, wir finden ihn auf der östlichen Seite. Zwar ist das hier nur eine Spaßregatta, aber wir wollen natürlich trotzdem vorne mit dabei sein.
Eine wunderbare Fahrt durch die Nacht beginnt. Es wird gar nicht richtig dunkel. Der Wind weht mit 2-3 Bft aus SW, die See ist ruhig.
Obwohl Wachen eingeteilt sind, will keiner runter in die Koje. Zu schön ist das gemeinsame Erlebnis und es wird viel geschnackt.

Wir müssen auch weder Hunger noch Durst leiden; unsere besseren Hälften haben uns ausreichend mit Frikadellen, Nudel- und Kartoffelsalat versorgt. Und zwischendrin wird immer wieder ein bisschen an der Segelstellung "gezoppelt", um den Gennaker möglichst stabil im Wind zu halten.

Um 23.45 Uhr liegt Tuno an Backbord querab und um 00.30 Uhr passieren wir die Nordspitze von Samsö. Jetzt ist es auch mal für knapp 1 1/2 Stunden dunkel und wir können die Lichter von einigen Mitseglern ausmachen.
Die Nacht ist inzwischen sternenklar und der Mond verwandelt die glatte See in ein Silbermeer (den Ausdruck habe ich von Sönke Roever's Bericht in der Yacht geklaut!). Ja, auch der Weltumsegler ist dabei!  Er fährt auf dem Boot von Freunden, einer Faurby 360E, mit. Sein Bericht in der Yacht -Ausgabe 18/2016- spiegelt sehr gut die Stimmung dieser Challenge wieder.

Es ist wunderschön - inzwischen ist es 04.30 Uhr und wir können die Lichter von Grena ausmachen. Und immer noch ist keiner müde, es ist viel zu spannend.
Zwischendurch loggen wir 9,4 kts Fahrt durchs Wasser - was gibt es Schöneres als durch die Nacht zu segeln. Und immer noch nur unter Gennaker.

Um 07.39 Uhr passieren wir das Ziel. die Ansteuerungstonne von Anholt. - In knapp 22 Stunden haben wir es nach 150sm geschafft, Durchschnittsgeschwindigkeit 7 knots Fahrt über Grund.
Ich hätte nie gedacht, dass meine kleine dicke "XIOS" so eine Rennziege ist!!!

Nun sind es noch 5 Meilen bis wir im Hafen von Anholt festmachen können. - Wir sind als 8. im Ziel und haben einige größere Boote hinter uns gelassen.
Unser Stegnachbar, der 1 1/2 Stunden nach uns festmacht, versteht die Welt nicht mehr. Er lag zwischendurch über eine Stunde vor uns, hat sich dann aber wohl ein paar Mal mit seinem Spi so richtig vertüttelt - und ganz offensichtlich keinen so guten "Strömungsleser", wie wir ihn mit Josie an Bord hatten.

Es wird gefrühstückt und mit einigen der anderen Teilnehmer geklönt - dann ist es Zeit für eine Mütze Schlaf!

Am Nachmittag machen einige Sightseeing, andere gehen an den Strand und die Unentwegten schauen bereits nach den verschiedenen Wettervorhersagen für die Rückfahrt. Es sieht nicht so gut aus, da der Wind zunehmen und auch weiterhin aus Südwest kommen soll.

Aber erst einmal ist das gemeinsame Grillen angesagt. Dafür sind wir ja schließlich hergekommen! Wie üblich im Anholter Hafen hat der Hafenmeister die Grills rechtzeitig angeheizt, so dass wir gegen 18.00 Uhr direkt mit dem Grillen anfangen können.

Trotz Spaßregatta gibt es auch eine Siegerehrung. Das erste Boot, die "Stella" bekommt eine alte Winsch und der letzte - ja wo ist er denn? - soll eine Buddel Rum bekommen.
Und da kommt auch schon der letzte!!! Bummelige 12 Stunden nachdem die meisten den Hafen erreicht haben, kommt auch Thomas ("James Bond 007") Weigel mit seiner Mantra Six ins Ziel. Eine tolle Leistung für einen 20-Fuß-Binnensegler, und er bekommt auch einen würdigen Empfang auf der Mole.

Es ist ein wunderschöner Abend und wir sitzen noch lange zusammen.

Am nächsten Morgen, wir haben erst einmal richtig ausgeschlafen, stellen wir fest, dass die ersten Boote sich schon wieder auf den Rückweg gemacht haben.
Wir diskutieren beim Frühstück die beste Strategie und entscheiden uns, erst mal den vorhergesagten Regen abzuwarten und dann gegen Abend uns auf den Weg zu machen.

Wir verbringen noch einen ruhigen Tag auf Anholt und dann geht es wie geplant um 17.00 h los. Bei 4-5 Bft aus S/SE bleibt uns nichts anderes übrig als unter Motor mit Stützsegel zu fahren. Wir hoffen, dass der Wind später dreht und wir ein Stück segeln können.
Es geht entlang des 12sm-langen Windparks in Richtung Grena. Der Abend ist klar, mit ein paar Wolken am Himmel. Genug Zeit für uns, diesen Törn noch einmal im Geiste Revue passieren  zu lassen. Und auch Zeit für unseren Fotospezialisten für ein paar tolle Bilder.

Aus dem Segeln wird es leider nichts und wir motoren bis in den Hafen von Grena. Dort kommen wir nach 23sm um kurz vor Mitternacht an und hauen uns nach einem schnellen Abendbrot in die Kojen.

Am nächsten Morgen verlässt uns Josie und fährt mit der Bahn zurück nach Flensburg - die Vorbereitungen für die nächste Regatta warten.

Wir Zurückgebliebenen entscheiden nach einem Blick auf die Wettervorhersage den Tag in Grena zu verbummeln - vielleicht wird das Wetter ja doch noch besser.
Aber auch am nächsten Morgen sieht es mit dem Segeln nicht besser aus: 1-2 Bft aus Süd. Trotzdem entscheiden wir uns um kurz vor halb fünf (ja - morgens!) los zu fahren. Ich muss am Sonntagabend in Flensburg sein, da ich am Montag Unterricht geben muss. Notgedrungen unter Motor geht es nach Süden - Ziel ist Juelsminde, falls der Wind auffrischt und dreht haben wir auch noch die Option weiter in den Kleinen Belt zu fahren.  Aber es wird nix besser! Im Gegenteil, im Laufe des Tages verschlechtert sich das Wetter immer mehr und es geht gegen Wind und Strom nach Juelsminde.
Zeitweise haben wir über 3 Knoten Strom gegenan und die Wellen werden auch immer höher. Eine furchtbare Plackerei - besonders für den Jockel, der sich schwer quälen muss.

Nach 12 Stunden ist es dann endlich geschafft - 55sm ü.G., wir sind alle ziemlich fertig. Da auch die Wettervorhersagen für die nächsten zwei Tage nichts Besseres versprechen, entscheiden wir abzubrechen und das Boot in Juelsminde liegen zu lassen.

Inge holt uns mit dem Wagen ab und bringt uns in die Heimat.

Am Wochenende darauf fahren Freunde Inge und mich wieder nach Juelsminde und wir beide bringen in zwei tollen Segeltagen unsere XIOS nach Fahrensodde. Über Assens (40sm in 8 Stunden) geht es durch den Alssund direkt nach Hause (48sm in knapp 10 Stunden.

Es war ein tolles Erlebnis - dieser "Flashmob unter Segeln", wie es Sönke in seinem Artikel genannt hat.

Vielleicht das einzige Mal dieser Art, denn nach Sönke's Artikel in der Yacht haben bereits mehr als 200 Segler ihr Interesse bekundet, im nächsten Jahr an der SAC teilzunehmen.Und das Ganze nimmt bereits "professionelle" Züge an: Man denkt schon an bedruckte T-Shirts, Wimpel etc. für die SAC 2017.
(Fotos von Jochen Schmidt, Uwe Beinkinstadt, Andreas Kösters; Titelfoto von Sönke Roever)

 

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