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Kappeliges Kattegat

 Heute geht es ins Kattegat. Nur noch aufklaren, ein Blick aufs Seewetter und auf WhatsApp. Hupp’s – was ist das denn? Inga und Jano wollen uns überraschen, haben aber lieber doch noch eine Kurznachricht geschickt. Einige Minuten später sind sie an Bord – mit frischen Brötchen. Große Freude! Zweites Frühstück statt ablegen. Sie bleiben für eine Nacht.
Nach einem ausgiebigen Stadtbummel folgt die nächste Überraschung. Ein Zettel am Bugkorb: „Hello, can you find new place because my boot is here ca. 13:00“. Kurzer Hand verlegen wir die CHINTA zwei Meilen weiter in den nächsten Hafen, nach Strib. Der schöne Sandstrand, gleich neben dem historischen Leuchtturm, ist genau das richtige Betätigungsfeld für unseren Nachwuchsseemann.
Viel zu schnell sitzen die beiden schon wieder im Auto, Richtung Flensburg. Die Wolken hängen tief, sie öffnen sich sogar. Den Regentag machen wir zum Lesetag. Doch dann geht es, mit Sonne und Wind, tatsächlich weiter ins Kattegat. Bei NNO 4 haben wir Bogense auf 60 Grad am Wind fest im Visier. Doch Welle und Strom stellen sich schon bald als unangenehme Gegenspieler heraus. Mein IO geht in Ruhemodus, macht im Salon die Beine lang.
Entschädigung folgt auf dem Fuße, in der Rosenstadt Bogense. Überall blüht und duftet es in Vorbereitung auf das alljährliche Stadtevent im August. Den großen Hafen mag ich nicht, der ist mir zu anonym. Doch gleich hinter dem Steg ist der Strand. Diese Einladung nehme ich dankend an. Gegenüber, im Gamle Havn, dem ehemaligen Fischereihafen, ist reger Betrieb. Mischen uns unters Volk und schauen hier und da mal rein.
Unser Kurs zeigt weiter Richtung Norden. Damit verlassen wir die klassische Fünen-Rund-Route. Flensburger Charterboote wählen für die Dauer von ein bis zwei Wochen gern diesen Rundkurs mit bevorzugten Stopps in Dyvig, Middelfart, Korshavn, Kerteminde, Svendborg und Sonderborg.
Unsere Herzen schlagen eher für kleinere, beschauliche Häfen, wie heute, in Snaptun. Bis zur Untiefentonne Hoved Flak kommen wir bei halben Wind gut voran. Die Logge zeigt bei leichtem Gegenstrom meist sieben Knoten an, die Welle vom Vortag hat sich etwas geglättet.
Ein paar Meilen vor dem Horsens-Fjord ist Schluss mit lustig. Der Wind ist plötzlich weg. Wie abgeschaltet. Dunkle, bedrohliche Wolken ziehen auf. Eine erste Kostprobe der angekündigten unbeständigen Großwetterlage der nächsten Tage? Rasch noch das Ölzeug an.
In Sichtweite der Hafeneinfahrt prasselt dann der Regen auf uns nieder. Die Konturen von Himmel und Wasser verschwimmen ineinander. Alles ist grau in grau. Eine willkommene Hafenatmosphäre wird uns erst am nächsten Morgen, beim Frühstück, mit wohltuenden Sonnenstrahlen geboten. In der naturbelassenen Umgebung zwitschern über 20 Vogelarten ein Lied an. Ein gemischter Chor der ganz besonderen Art. Fischer bringen die Beute der letzten Nacht in den Hafen. Auch am Fähranleger nach Endelave und Hjarnø ist schon früh morgens reger Betrieb.
Die kurze Passage zur gegenüberliegenden kleinen Insel nehmen wir gern an und kommen mit neuen Eindrücken zurück. Einen Teil der 120 Insulaner treffen wir in der Gamle Smede, dem Dorfkrug. Genügsam und glücklich scheinen sie zu sein, wie so viele Dänen. An den Wänden der Steilküste haben sich tausende Seeschwalben angesiedelt und Nester bzw. kleine Aushöhlungen gebaut. Einen kleinen Segelhafen und eine Fahrradfähre zur Halbinsel Alrø gibt es auf Hjarnø übrigens auch.
Bin auf zwei Stunden Motorengeräusch eingestellt, als wir nach Endelave weiterziehen. Doch am Ausgang der Horsensbucht füllt ausreichend Südwind die Segel. Lautlos genießen wir das Frühstück auf dem Wasser. D 21 SonneDer Salzgeschmack auf den Lippen passt zum Rührei. Ein paar Möwen hoffen vergebens auf eine kleine Spende.
Bei den schönen Blau- und Grüntönen des Wassers sind wir – zumindest gefühlt – in der Karibik gelandet. 19 Grad Wassertemperatur relativieren jedoch meine Träumerei. Eine neu eingeweihte Badebrücke, gleich hinter unserem Liegeplatz, lassen mein Herz höher schlagen.

Wie ein Bumerang schmiegt sich die mit Wald, Heide und Wiesen bewachsene Insel in das Kattegat. Kleine Wildkaninchen huschen uns ständig vor‘s Rad. Schließlich genießen sie auf „Rabbit-Island“, wie die Insel im Jägerjaggong genannt wird, die Vorherrschaft. Das hohe Vermehrungspotential lässt nicht auf Nachwuchssorgen schließen. Ihr „Regierungsviertel“ befindet sich im Süden der Insel, zwischen Pfadfinderlager und Flugplatz. Der wiederum ist lediglich an einer kurz geschorenen Wiese und einem rot-weißen Windsack erkennbar.
Ein Rundweg von 21 Kilometern bietet Walkern und Radlern genügend Auslauf mit Wasserblick. Sportlich ambitionierte können sich hier an einen Halbmarathon rantrauen. In der kleinen Havnbageri bekommen wir frisch gebackenes Brot zum Frühstück. Es ist noch warm und schmeckt köstlich.
Sportlich beginnt der nächste Tag für uns mit 20 Meilen vor dem Frühstück! Wieso das? Sogar auf’s Baden verzichte ich, da wir uns bereits um kurz vor sieben Uhr auf den Weg machen. Laut Seewetterbericht soll der Wind im Laufe des Tages auf Sturmstärke zunehmen. Also früh los oder noch bleiben. Einen Muck Kaffee gibt es nach dem Ablegen, ein reichhaltiges Skipperfrühstück mit Rührei und Bacon drei Stunden später, nach dem Festmachen in Norsminde.
Die Fahrt verlief bei raumen Wind von 4 – 5 Beaufort recht flott. Hatte vorsorglich ein Reff ins Großsegel eingebunden. Das Anlegemanöver im engen, flachen Hafenbecken, mit reichlich Strömung im Noor, war keine Glanzleistung. Wurden ständig versetzt. Bei geöffneter Schleuse können im Hafen bis zu vier Knoten Strom entstehen.
Abends, im Fiske Huset, ein kulinarisches Highlight. Es soll die beste Fischplatte Ostjyllands sein. Und das war sie dann auch. Allein deshalb lohnt es sich schon, Norsminde anzusteuern. Stürmische Böen und Gewitter ziehen über uns hinweg.
Dumpfe Basstöne werden weit in die Bucht von Marselisborg geweht, als wir uns am nächsten Tag auf den Weg nach Aarhus machen. Eine Crewverstärkung hat sich angekündigt. Ein paar Tage begleiten uns Inga und Jano. Unser Leichtmatrose ist nun 1 ½ Jahre alt und hat die Mama meist an seiner Seite. Zeit, seine seemännische Ausbildung fortzusetzen.

 

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