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Südschweden und Bornholm

Fehlstart 

Zeit und Wetter sind zwei sehr wichtige Faktoren beim Segeln. Nach dem verpatzten Sommer 2011 wurde das vielen von uns nachdrücklich ins Bewusstsein gerufen. Um es vorweg zu nehmen, wir hatten Glück während unseres Sommertörns, da wir bereits Anfang Juni gestartet sind und mit Kurs Ost offensichtlich eine gute Richtung gewählt und obendrein auch ein gutes Zeitpolster im Gepäck hatten. Doch danach sah es zunächst gar nicht aus.

Eine diesige wolkenverhangene Kulisse lässt beim Ablegen in Flensburg keine Urlaubsstimmung bei uns aufkommen. Bei einsetzendem Regen und leichtem Nordost haben wir gleich Gelegenheit unser Ölzeug und den Jockel zu testen. Da wir einen anderen Anspruch ans Segeln haben, ist bereits zwei Stunden später in Langballigau Schicht im Schacht. Und so bildet die Zubereitung und der Genuss eines reichhaltigen Menüs den Schwerpunkt des ersten Tages. Schon früh morgens geht es bei wesentlich besseren Bedingungen weiter, um die „verlorenen“ Meilen gut zu machen. Bei zunehmenden WNW und strahlend blauem Himmel kann nicht nur unser Ölzeug gut trocknen. Wir lassen die Südspitze Langelands links liegen und erreichen am Ende des Tages Kragenaes auf Lolland. Nach einem weiteren Zwischenstopp im Bogöstrom passieren wir nach drei Tagen die dänisch-schwedische Grenze und machen am südlichsten Punkt Schwedens, in Smygehuk, fest.


Hanöbucht

Auf dem Weg in den süd-östlichen Schärengarten Schwedens oder auch zum Kalmarsund bietet Simrishamn eine strategisch günstige Zwischenstation. Wie schon am Vortag, begegnen uns wieder jede Menge Fähren und andere dicke Pötte. Weit oben, entlang der gewaltigen Steilküste, bewundern wir Gleitschirmflieger, die dort offensichtlich eine günstige Thermik vorfinden. Auch wir kommen bei den Windverhältnissen unter Gennaker gut voran. So gut, dass wir bei zunehmender Brise die 20 Knoten aus SW gar nicht so recht wahrnehmen. Dies sollte sich dann bei der nächsten (verpatzten) Halse rächen. Selbst Schuld, ist doch ein Leichtwindsegel – oder?

 

In Simrishamn gönnen wir uns einen Hafentag. Das herrliche Wetter lädt zu einer ausgiebigen Radtour ins Landesinnere ein. Sollten hier im Bullerbüland nicht üppige Lavendelfelder sein? Gesehen haben wir die violetten Duftsträucher jedoch nur in Vorgärten und auf Verkehrsinseln. Doch etwas typisch schwedisches ist uns dort dennoch aufgefallen. Obwohl im Land der Elche seit über 40 Jahren Rechtsverkehr herrscht, haben die Postwagen das Lenkrad noch immer auf der rechten Seite. Da die meisten Briefkästen direkt am Straßenrand hängen, arbeitet die Post so effektiv und bequem obendrein. Auch nach dem Abendessen treten wir noch mal in die Pedale, um die schöne Küste Richtung Stenshuvud mit den einladenden Stränden zu genießen. Malerischer Sonnenuntergang eingeschlossen. Welch ein Vorgeschmack auf unser eigentliches Reiseziel – den Schärengarten.

 

Wer noch nie in den Schären war, so wie wir, kann auf Hanö eine „Trockenübung“ absolvieren. Die wunderhübsche Insel, nach der auch die 60 Meilen langgezogene Bucht benannt ist, liegt nur einen Steinwurf von den Schären entfernt und ist für jeden Segler ein absolutes Muss. Deshalb planen wir auch hier einen Tag für ausgiebige Erkundungen ein. Die sehr naturbelassenen abenteuerlichen Wander-pfade zwischen den vielen Granitsteinen bieten als Orientierungshilfe kleine rote Pfähle oder einfach nur rote Punkte auf den Steinen, man muss sie nur finden – wie in den Schären... Die Mutigen trauen sich sogar in die Höhlen mit den tiefen dunklen Gängen.

 

Hoch oben auf dem großen Granitberg ist der Fyrplatsen mit einem fantastischen Blick auf die Schären. An der Nordspitze reicht ein Steinriff, das Bönsäcken, mit unzähligen kleinen rundgewaschenen Steinen weit ins Meer hinein. Auf dem Weg dorthin finden wir, dank der vielen kleinen roten Wegweiser, auch den verwunschen wirkenden englischen Friedhof. Ein Überbleibsel der britischen Flottenbasis auf Hanö während der napoleonischen Kriege. Heute sind auf Hanö 60 Einwohner und über 200 Damhirsche dauerhaft beheimatet. Der gemütliche Hafen ist mit kleinen ochsenblutroten Holzhäusern umgeben. Achtung, bei nördlichem Starkwind ist es mit der Gemütlichkeit im Hafen vorbei. Wir erleben es. Der rührige Hafenmeister lässt deshalb frühzeitig alle Boote mit dem Bug zur Hafeneinfahrt umdrehen. Wir liegen gut geschützt weit hinten in einer Ecke und bekommen von dem Schwell nur wenig mit.


In den Schären

Nach intensiver Vorbereitung folgt nun die Praxis. An langen Winterabenden haben wir uns bereits, dank einschlägiger Literatur und schwedischen Seekarten von unserem Vereinskameraden Dieter Sprick, mit den örtlichen Gegebenheiten auseinander gesetzt. Uns bietet sich zunächst ein Wirrwarr von tausend kleinen, aber auch einigen etwas größeren bewohnten Inseln. Häufig tauchen auch nur kleine Felsbrocken an der Wasseroberfläche auf, wo allenfalls Wasservögel beheimatet sind. Die vielfältigen Möglichkeiten, die zum Verweilen einladen, kann man in einem Urlaub nicht annähernd ausschöpfen.

 

So zieht es uns zunächst nach Tärnö. Die erste Herausforderung an Engpässen und Flachs meistern wir nach der guten Vorarbeit mit Bravour. Wir steuern die gut geschützte Nordbucht mit idealen Anker- und Anlegemöglichkeiten an. Der Funke dieser grandiosen Schärenidylle springt direkt auf uns über, zumal sich gerade mal ein halbes Dutzend Boote dorthin verirrt hat. An Land: ein Grillplatz und ein Plumsklo - was braucht man mehr zum Leben? Auch die Inspektion der Insel mit den verschlungenen Pfaden und den alten Fischer- und Lotsenhäuschen enttäuscht uns nicht. Am anderen Ende der Bucht dann doch etwas mehr Leben mit kleinem Fähranleger und Restaurant.

Tjärö klingt sehr ähnlich und ist nur acht Meilen entfernt. Die kleine verwinkelte Insel ist in Privatbesitz und bietet an allen Seiten Liegemöglichkeiten. Umgeben von großen Felsen und üppiger Natur liegen verstreut einige Ferienhäuser der Marke „Bullerbü“ und ein gut geführtes Hotel, das gerne für besondere Events gebucht wird. Bei unserem Landgang treffen wir auf eine Horde fröhlicher junger Mädels in ausgelassener Stimmung. Sie feiern Junggesellinabschied mit der Braut in Späh. Noch am selben Abend wird die Hochzeit im Hotel ausgiebig gefeiert. Wir erwandern jeden Winkel dieses naturbelassenen Eilands und erklimmen so manchen Felsen. Wir sind zufrieden und glücklich und spüren deutlich angekommen zu sein. Hier finden wir, wie so oft in Schweden, bei den Sanitäranlagen (mit Spül-WC!) auch eine urige Sauna zur kostenlosen Benutzung vor. Meist werden sie wenig frequentiert, so ist es ruhig und entspannend. Doch heute hat sich eine trinkfeste Männercrew von Karlshamn auf den Weg hierher gemacht. So komme ich in den für mich ganz neuen Genuss, Bier und Salami in der Sauna angeboten zu bekommen – spannende Konversation eingeschlossen. Andere Länder, andere Sitten ...

 

Wir folgen dem gut betonnten „Small-kraft-track“ zwischen den vielen Klippen Richtung Osten und landen drei Stunden später in Ekenäs. Die Genua reicht für den Vortrieb völlig aus. Die letzte 90-Grad-Abbiegung der schmalen Fahrrinne war zunächst gar nicht zu erkennen. Das Echolot bietet nur noch wenig Spielraum, doch mit größter Sorgfalt nehmen wir auch diese Hürde. Helfende Hände nehmen unsere Vorleine am Steg, gegenüber der kleinen Insel Karö, ab. Es folgt ein netter Schnack mit Heidrun, und es sollten noch viele weitere interessante Gespräche mit ihr und ihrem Skipper von der HALMARE folgen.

 

Der wunderschöne Brunnspark mit vielen kleinen Seen und Bächen und dem alten Baumbestand ist ein über die Region hinaus bekannter Anziehungspunkt. Auf halbem Weg zum kleinen Städtchen Ronneby legen wir hier, bei einem der meistbesuchten Kurorte der Jahrhundertwende, während unserer Radtour eine ausgiebige Rast ein. Den Rückweg radeln wir entlang der Ronnebyau, die direkt bei unserem Hafen in die Ostsee mündet. Heidrun freut sich über die mitgebrachten Einkäufe. Die kleine schnuckelige Fähre Karö-Line - oder war es Karoline - bringt uns am nächsten Tag in fünf Minuten auf die kleine naturbelassene Insel Karö, die wir unbedingt erkunden wollen. Was hier völlig deplaziert wirkt: eine Riesendisco, in der jeden Mittwoch große Party angesagt ist. Das Spektakel lassen wir uns gern entgehen. Wir setzen zuvor unseren Törn fort, um die bevorstehende Mitsommernacht zusammen mit den Schweden in angemessener Atmosphäre zu erleben.


Midsommarnat

Die langen hellen Abende bzw. kurzen Nächte sind schon Grund genug im Juni in den Norden zu fahren. Der allerlängste Tag des Jahres wird von den Schweden ähnlich feierlich begangen, wie am Rhein der Karneval. Mit Karamelle wird zwar nicht geworfen, aber drei Tage lang sind sie durchaus in ausgelassener Partylaune. Es bedeutet den Schweden etwa so viel wie Weihnachten. Die meisten Geschäfte sind dann geschlossen. Wir wählen für dieses Großereignis den beschaulichen Hafen von Dragsö. Für „Familienanschluss“ zu den Clubleuten des KSS und sonstigen Verwöhnaromen sorgt Leif Ericson bereits beim Anlegen. Funktion und Ansehen von Leif ist durchaus mit unserem langjährigen „Brückenkommandanten“ Peter Matthiesen vergleichbar. So fühlen wir uns nicht nur dabei, sondern mittendrin, danke Leif und all den anderen!

 

Schon mittags beginnen Kinder und Mütter beim gegenüberliegenden Campingplatz Kränze und Haarschmuck für die festliche Zeremonie zu basteln und sich zu schmücken. Um 15 Uhr geht es dann los. Mit musikalischer Begleitung führen zunächst die Kleinen in ausgelassener Stimmung Freudentänze um die Midsommarnatstång auf. Im Anschluss sind die Senioren in ihren bunten Trachten mit den einstudierten Tänzen dran. Wir werden von der guten Stimmung angesteckt und freuen uns, zusammen mit der HALMARE-Crew, über den liebevoll geschmückten Baum und eine endlos lange Tafel im Segelclub. Bei Gegrilltem, Wein und Bier erleben wir eine schöne Midsommarnat in großer geselliger Runde.


Kalskrona

Natürlich finden auch in der angrenzenden Stadt Karlskrona an diesem Wochenende jede Menge Veranstaltungen statt. Da die City in wenigen Minuten per Rad gut erreichbar ist, machen wir davon reichlich Gebrauch und nutzen auch mal wieder die Chance ausgiebig zu shoppen. Zwei Dinge sind in dieser geschichtsträchtigen Stadt für jeden Touristen ein absolutes Muss. Die malerische Schrebergartenkolonie Brändaholm schmückt einen Berg in unmittelbarer Nähe unseres Hafens, mehr Schweden geht nicht! Wir schlendern dort gleich zweimal durch, um die liebevoll gestalteten kleinen Häuser und Gärten zu bewundern. Auch Nichtmuseumsgänger sollten das über die Grenzen bekannte Marinemuseum nicht auslassen. Neben vielen interessanten Ausstellungen an Land und zu Wasser werden die per Kopfhörer und Leinwänden in unterschiedlichen Sprachen übermittelten Darbietungen sehr wirkungsvoll medial wiedergegeben. Hier kann man Geschichte hautnah nachempfinden. U. a. die U-Boot-Affäre während des kalten Krieges 1982, die bei anderem politischen Verhalten schlimme, weitreichende Folgen hätte nach sich ziehen können. Der größte schwedische Marinestützpunkt ist noch heute hier angesiedelt und nimmt ein ganzes Stadtteil für sich in Anspruch. Schwierig ist es für uns nach jedem Stadtbesuch unverrichteter Dinge am Fischmarkt vorbei zu fahren, zu verlockend sind die frischen Angebote.

 

Nur ungern verlassen wir die größte Stadt Südschwedens und den sympathischen Segelhafen in Dragsö. Doch Segler führen ein Zigeunerleben und so nähern wir uns dem östlichen Ausgang der langgestreckten Hanö-Bucht. Hinter der Möglesundbrücke müssen wir einige enge Passagen überwinden. Doch auch hier sorgt eine gute Betonnung für die nötige Sicherheit. Nach einer schönen, mit Ankerbuchten gespickten abwechslungsreichen Drei-Stunden-Etappe, machen wir in dem kleinen Hafen Torhamn fest. Hier ist die Weite der Ostsee bereits deutlich spürbar, nun kommt der Wind wieder aus erster Hand. Nach einem anschließenden Fußmarsch durch das Naturreservat zum ehemals großen Fischereihafen Sandhamn, erblicken wir die ganze Weite des Meeres und einige vorbeiziehende Segelboote auf dem Weg in den Kalmarsund Richtung Stockholm.

 

Unser Kurs zeigt jedoch in die entgegengesetzte Richtung. Ein letztes Mal haben wir auf Utlängan schwedischen Boden unter den Füßen. Die kurze Anfahrt zwischen den Schären und auch eine ausgiebige Wanderung über die Insel ist noch mal so recht nach unserem Geschmack. Zum Abschied sitzen wir bei einem schönen Glas Rotwein, passend zum Sonnenuntergang, auf der HALMARE, die ganz überraschend bei uns in Stenshamn eingelaufen ist. So verabschieden wir uns schließlich ein drittes Mal. Ein finnisches Kuchenrezept steht jedoch noch aus ... Wir lassen 2½ wunderschöne Wochen in Schweden hinter uns und freuen uns auf Bornholm. Doch davor liegen ja noch die sogenannten Erbseninseln.


Die Erbseninseln

Früh morgens stechen wir zur 50-Meilen-Etappe in See und registrieren noch beim Auslaufen eine winkende Hand aus der Kuchenbude der HALMARE. Nach dem Leuchtturm von Utklippan passieren wir auf unserem Kurs erneut den stark frequentierten Seeweg von und nach Kopenhagen. Das Kreuzfahrtschiff COSTA ATLANTICA (85.000 BRT, 3.600 Pers.!) ist das größte, was uns in die Quere kommt. Am Horizont halten wir Ausschau nach den kleinen Erbsen bzw. Ertholmene. Und tatsächlich, im Dunst der Mittagssonne zeichnet sich die Silhouette eines Felsens vom Meeresspiegel ab. Bei strahlend blauem Himmel und wohltuenden 25 Grad laufen wir in den heute noch gut bewachten Hafen ein. Von den vielen Badenixen werde ich infiziert und nehme unaufgefordert mein erstes Bad der Saison. Verrückt, heute Morgen beim Auslaufen trug ich noch wärmende Neoprenhandschuhe.

Christiansö und Frederiksö sind die beiden größten bewohnten Inseln neben vielen weiteren kleinen Erbsen, 10 Meilen östlich von Bornholm. Verbunden sind sie mit einer alten schmalen Fußgängerbrücke. Maximale Traglast: 10 Personen. Einst war die Festung ein wichtiger strategischer und hart umkämpfter militärischer Standort. Heute leben hier 100 friedfertige Insulaner, die ihre Existenz mit Tourismus und Fischfang sichern. Die geschichtsträchtige Bastion mit den vielen gut erhaltenen Gebäuden in dieser ursprünglichen bizarren Felsenlandschaft ist eine deviseneinbringende Touristenattraktion. Zigtausende Besucher kommen Jahr für Jahr von Bornholm für eine Stippvisite hierher.

 

Die Inselgruppe mit allen Gebäuden steht unter Natur- bzw. Denkmalschutz und ist noch heute dem dänischen Verkehrsministerium unterstellt. Eine langfristige Erhaltung wird weiter vorangetrieben, Neubauten wird es hier nicht geben. Kirche, Grundschule, Kaufmann, Arzt u.a.m. ist alles auf Christiansö vorhanden. In den langen Wintermonaten liegt der Schwerpunkt beim Fischfang, die guten Fischgründe sind in unmittelbarer Nähe. Das Postschiff PETER sorgt auch dann für eine tägliche Landverbindung.


B o r n h o l m

In Swaneke erhaschen wir im sturmsicheren Innenhafen den letzten Liegeplatz, was sich noch auszahlen soll. Denn zwei Tage später ist starker Ostwind angesagt. Das Außenbecken wird geräumt, alle Boote bilden nun Päckchen irgendwo im Innenbereich und sorgen zugleich für ein engeres soziales Netz. Ein schweres doppelwandiges Tor verschafft uns ruhige Nächte. Schwarzer Ball bzw. drei x Rot an der Hafeneinfahrt signalisiert für die zwei folgenden Tage „geschlossene Gesellschaft“. Das bunte Treiben in dem kleinen kuscheligen Künstlerdorf lässt bei uns keine lange Weile aufkommen. Radtouren nach Nexö, Snogebaek und - ganz wichtig - nach Dueodde sorgen für Kurzweil. Schon 40 Jahre ist es her, als ich mit Freunden auf Möllers Campingplatz in Dueodde war. Die Neugierde ist entsprechend groß, doch die Realität ernüchternd. Kaum Gäste auf dem von Kiefern umgebenen heruntergewirtschafteten Campingplatz, der „Kröllebölle-Laden“ ist aber immer noch da. Und von dem einst endlos langen feinen Sandstrand hat die Natur nur noch einen schmalen Streifen übrig gelassen. Wir genießen dennoch die wohltuenden Sonnenstrahlen in den Dünen und die schönen Kiefernwälder und Küstenabschnitte auf der Rücktour.

Inzwischen sind Chrissi und Niki zu uns gestoßen, sie haben „Rund Bornholm“ gebucht. Auch sie sind sichtlich beeindruckt von der tollen Umgebung und den vielen kunsthandwerklichen Läden, der Glasbläserei, der Ismejeri, der Karamell- und Bonbonfertigung. Fast einen halben Tag haben wir bei einem der letzten Blaudrucker Dänemarks zugebracht, da sich der gebürtige Deutsche, Heinz Dietrich, viel Zeit für uns nimmt, um uns das aussterbende Handwerk und die Historie näher zu bringen. Als krönenden Abschluss ankert das „Traumschiff Deutschland“ noch in unserer Bucht, um den zahlungskräftigen Gästen einen Kurzbesuch in Swaneke zu gewähren.

 

Entgegen dem Uhrzeigersinn laufen wir nach den eindrucksvollen Erlebnissen an der Ostküste Bornholms nun Gudhjem an. Ich bin erstaunt, in diesem kleinen Hafen so viel Platz vorzufinden. Enge steile Gassen führen von kleinen Geschäften und Restaurants gespickt hinauf zur Kirche und der Mühle. Von dort haben wir einen fantastischen Blick hinaus aufs Meer und zu den angrenzenden Orten. Eine Kletterpartie durch die spröden Felsen entlang der Küste lassen erahnen, was uns im Norden der Insel erwartet.

Um das näher zu erkunden, verschaffen wir uns in Allinge eine gute Basis. Dort spüren wir dann auch hautnah die Hauptsaison. Bereits am Nachmittag ist der Hafen gerappelt voll, sodass man nach allen Seiten Landzugang hat. Die angrenzenden Parkplätze sind mit Reisebussen gut gefüllt, sogar ein Flensburger Kennzeichen entdecken wir. Die Wanderschuhe und Klappräder müssen nun ordentlich herhalten, denn der Norden ist ganz nach unserem Geschmack. Sandvig ist nur Durchgangsstation, da wir uns vom Hammersee und Hammerknuden geradezu magisch angezogen fühlen. Der steile Aufstieg zum Örnebjerg und Hammer Fyr fordert uns Flachlandtiroler ganz schön heraus. Doch die Belohnung folgt auf dem Fuße. In der Abendsonne genießen wir einen gigantischen Rundumblick, sogar die schwedische Küste ist gut zu erkennen. Bei Fast-Flaute sind noch auffallend viele Boote unterwegs und alle unter Segel. Wie sich später herausstellt, waren es Regattateilnehmer von Rund-Bornholm. Sie müssen noch zurück nach Warnemünde – na, viel Spaß! Unser Rückweg führt uns am Opalsee vorbei. Eine Meisterleistung der Natur, wir sind hin und weg. Dänemarks längste „Tovbane“ aus 50 Meter Höhe und 300 Meter quer über den See, bilden da geradezu einen Bruch zur Natur, bieten aber dem geneigten Nutzer den nötigen Kick und dem Event-Betreiber reichlich Kronen ins Portemonnaie. Entlang dem Hammersövej geht’s zurück an Bord. Todmüde aber glücklich fallen wir in die Koje.

 

Auch am nächsten Tag: wenig Wind und viel Sonne. Kühle Getränke unterm Sonnensegel machen es an Bord erträglich. Und natürlich setzen wir unsere Erkundungstouren fort. Wenn Boote das voll gestopfte Hafenbecken verlassen, funktioniert das meist erstaunlich gut. Wie von Geisterhand gesteuert lösen sich einige Elemente irgendwo aus dem „Zauberwürfel“ und andere finden wieder zueinander. Auch wir ziehen weiter. Doch nur um die Nordspitze herum, denn die Schlossruine Hammershus steht noch auf dem Programm. Vom naturbelassenen Hammershavn ist es nicht weit – aber hoch! Also stärken, Rucksack packen und los. Oben angekommen, genießen wir nicht nur erneut den tollen Ausblick sondern auch einen sehr interessanten Rückblick in die Geschichte bis ins 16. Jahrhundert. Auf der weiteren Fahrt entlang der Küste kommen wir auch aus dieser Perspektive aus dem Staunen nicht heraus und ziehen so unser Fazit: Der Norden ist der Hammer!


Hasle ist die letzte Station auf unser Rundtour. Den nicht ganz so aufregenden Küstenstreifen zwischen Rönne und Dueodde haben wir unterschlagen. Auch Åkirkeby mit der berühmten Rundkirche blieb bei unserem Bornholm-Trip auf der Strecke. Doch die Hauptstadt Rönne lassen wir uns nicht entgehen. Gut ausgebaute Rad- und Waldwege führen direkt dort hin, wir nutzen diese Einladung und erleben zum Abschluss einen schönen Stadttag auf der Sonneninsel, die ihrem Namen in den zurückliegenden 10 Tagen alle Ehre machte.


Kurs Heimat

In aller Hergottsfrühe brechen wir zusammen mit den Fischern und etwas Wehmut im Gepäck auf und nehmen Kurs auf Mön. Vorsichtshalber habe ich die Ansteuerungstonne vom Bogöstrom als alternativen Wegepunkt im Plotter gesetzt, da der Wind auf SW drehen sollte. Doch letztendlich reicht es auf dem letzten Stück für einen Anleger, sodass wir nach einem rasanten 90-Meilen-Ritt unser Einlaufbier in Klintholm genießen können.

 

Bevor es mit der Sonne im Cockpit weiter nach Femö geht, macht sich die Crew noch auf, um die gigantischen Kreidenfelsen aus der Nähe zu betrachten und ganz ungeniert ein kühles Bad zu nehmen. Im Smålandfahrwasser wird es dann zunehmend schwüler und Petrus grollt bereits, ein Gewitter bahnt sich an. Als wir im gut gefüllten Hafen auf Femö festmachen, ist der Himmel pechschwarz und die ersten dicken Regentropfen zwingen mich noch auf dem Rest ins Ölzeug zu schlüpfen. Bei Weltuntergangsstimmung lassen wir uns das Abendessen so richtig schmecken und sind froh, es gerade noch geschafft zu haben.

 

Auf der kleinen, nun wieder sonnendurchfluteten Insel mit dem schmucken Dorfkern, schaffen wir es doch tatsächlich, uns zu verlaufen. Offensichtlich hat die erste Repräsentantin des Landes, Königin Margarethe, unseren Orientierungssinn beeinflusst. Vor exakt einem Jahr war sie hier, ein riesiger Gedenkstein am Dorfteich weist auf dieses Großereignis hin. So laufen wir erst mittags mit dem Ziel Spodsberg auf Langeland aus. Doch der Wind dreht auf West und so landen wir im völlig überfüllten Hafen von Lohals. Hier ist Hafenfest, wie die musikalische Beschallung schon beim Einlaufen vermuten lässt. Doch zuvor, etwa vier Meilen vor unserem Etappenziel, ein bei diesem Törn ganz besonderes Ereignis: unsere erste Wende! Tatsächlich sind wir die bisherigen 600 Meilen ohne Kreuzkurz ausgekommen – öfter mal was Neues...

 

Unsere Crew reduziert sich nun um 50 Prozent. Danke, Chrissi und Niki, es hat viel Spaß mit euch gemacht! Nach dem Super-Catering-Service von Lore kommen wir auch am nächsten Morgen nicht daran vorbei, bei ihr in Dagelökke ein zweites Frühstück einzunehmen. Dagelökke liegt – seemännisch gesehen – eben sehr zentral. Und so lassen wir bei unseren Törns keine Gelegenheit aus, meine Lieblingscousine auf Langeland zu besuchen. Fast wären wir diesmal länger geblieben, denn die ohnehin schmale und flache Hafenausfahrt durften wir nicht so ohne weiteres passieren. Erst im dritten Anlauf gelang uns der „Durchbruch“ – und zwar östlich neben der markierten Fahrrinne...

 

 

Nach einem kurzen Zwischenstopp im Svendborgsund geht es bei absoluter Flaute über den Kleinen Belt nach Mommark. Den haben wir mit seiner berüchtigten kurzen Welle schon so manches Mal ganz anders erlebt. In Mommark kann man nach der groß angelegten Sanierungsmaßnahme wieder gut liegen, außer bei nördlichen Winden. Und genau das ist ohne Vorankündigung am Abend eingetreten. Unsere letzte Urlaubsnacht war fantastisch, bei NO 6 – 7. Bei kräftigen Sturmböen und reichlich Schwell im Hafenbecken wirken die neuen Schwimmbrücken und deren Verankerungen wenig vertrauenserweckend. Eine weitere Nacht kam unter diesen Bedingungen in dem Hafen nicht in Frage. So erreichen wir nach 4½stündigem „Flug“ unseren Heimathafen und haben nun wieder deutschen Boden unter den Füßen. Elche und andere schöne Erinnerungen begegnen uns noch lange im Traum.

Friedrich Thordsen

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