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B o r n h o l m

In Swaneke erhaschen wir im sturmsicheren Innenhafen den letzten Liegeplatz, was sich noch auszahlen soll. Denn zwei Tage später ist starker Ostwind angesagt. Das Außenbecken wird geräumt, alle Boote bilden nun Päckchen irgendwo im Innenbereich und sorgen zugleich für ein engeres soziales Netz. Ein schweres doppelwandiges Tor verschafft uns ruhige Nächte. Schwarzer Ball bzw. drei x Rot an der Hafeneinfahrt signalisiert für die zwei folgenden Tage „geschlossene Gesellschaft“. Das bunte Treiben in dem kleinen kuscheligen Künstlerdorf lässt bei uns keine lange Weile aufkommen. Radtouren nach Nexö, Snogebaek und - ganz wichtig - nach Dueodde sorgen für Kurzweil. Schon 40 Jahre ist es her, als ich mit Freunden auf Möllers Campingplatz in Dueodde war. Die Neugierde ist entsprechend groß, doch die Realität ernüchternd. Kaum Gäste auf dem von Kiefern umgebenen heruntergewirtschafteten Campingplatz, der „Kröllebölle-Laden“ ist aber immer noch da. Und von dem einst endlos langen feinen Sandstrand hat die Natur nur noch einen schmalen Streifen übrig gelassen. Wir genießen dennoch die wohltuenden Sonnenstrahlen in den Dünen und die schönen Kiefernwälder und Küstenabschnitte auf der Rücktour.

Inzwischen sind Chrissi und Niki zu uns gestoßen, sie haben „Rund Bornholm“ gebucht. Auch sie sind sichtlich beeindruckt von der tollen Umgebung und den vielen kunsthandwerklichen Läden, der Glasbläserei, der Ismejeri, der Karamell- und Bonbonfertigung. Fast einen halben Tag haben wir bei einem der letzten Blaudrucker Dänemarks zugebracht, da sich der gebürtige Deutsche, Heinz Dietrich, viel Zeit für uns nimmt, um uns das aussterbende Handwerk und die Historie näher zu bringen. Als krönenden Abschluss ankert das „Traumschiff Deutschland“ noch in unserer Bucht, um den zahlungskräftigen Gästen einen Kurzbesuch in Swaneke zu gewähren.

 

Entgegen dem Uhrzeigersinn laufen wir nach den eindrucksvollen Erlebnissen an der Ostküste Bornholms nun Gudhjem an. Ich bin erstaunt, in diesem kleinen Hafen so viel Platz vorzufinden. Enge steile Gassen führen von kleinen Geschäften und Restaurants gespickt hinauf zur Kirche und der Mühle. Von dort haben wir einen fantastischen Blick hinaus aufs Meer und zu den angrenzenden Orten. Eine Kletterpartie durch die spröden Felsen entlang der Küste lassen erahnen, was uns im Norden der Insel erwartet.

Um das näher zu erkunden, verschaffen wir uns in Allinge eine gute Basis. Dort spüren wir dann auch hautnah die Hauptsaison. Bereits am Nachmittag ist der Hafen gerappelt voll, sodass man nach allen Seiten Landzugang hat. Die angrenzenden Parkplätze sind mit Reisebussen gut gefüllt, sogar ein Flensburger Kennzeichen entdecken wir. Die Wanderschuhe und Klappräder müssen nun ordentlich herhalten, denn der Norden ist ganz nach unserem Geschmack. Sandvig ist nur Durchgangsstation, da wir uns vom Hammersee und Hammerknuden geradezu magisch angezogen fühlen. Der steile Aufstieg zum Örnebjerg und Hammer Fyr fordert uns Flachlandtiroler ganz schön heraus. Doch die Belohnung folgt auf dem Fuße. In der Abendsonne genießen wir einen gigantischen Rundumblick, sogar die schwedische Küste ist gut zu erkennen. Bei Fast-Flaute sind noch auffallend viele Boote unterwegs und alle unter Segel. Wie sich später herausstellt, waren es Regattateilnehmer von Rund-Bornholm. Sie müssen noch zurück nach Warnemünde – na, viel Spaß! Unser Rückweg führt uns am Opalsee vorbei. Eine Meisterleistung der Natur, wir sind hin und weg. Dänemarks längste „Tovbane“ aus 50 Meter Höhe und 300 Meter quer über den See, bilden da geradezu einen Bruch zur Natur, bieten aber dem geneigten Nutzer den nötigen Kick und dem Event-Betreiber reichlich Kronen ins Portemonnaie. Entlang dem Hammersövej geht’s zurück an Bord. Todmüde aber glücklich fallen wir in die Koje.

 

Auch am nächsten Tag: wenig Wind und viel Sonne. Kühle Getränke unterm Sonnensegel machen es an Bord erträglich. Und natürlich setzen wir unsere Erkundungstouren fort. Wenn Boote das voll gestopfte Hafenbecken verlassen, funktioniert das meist erstaunlich gut. Wie von Geisterhand gesteuert lösen sich einige Elemente irgendwo aus dem „Zauberwürfel“ und andere finden wieder zueinander. Auch wir ziehen weiter. Doch nur um die Nordspitze herum, denn die Schlossruine Hammershus steht noch auf dem Programm. Vom naturbelassenen Hammershavn ist es nicht weit – aber hoch! Also stärken, Rucksack packen und los. Oben angekommen, genießen wir nicht nur erneut den tollen Ausblick sondern auch einen sehr interessanten Rückblick in die Geschichte bis ins 16. Jahrhundert. Auf der weiteren Fahrt entlang der Küste kommen wir auch aus dieser Perspektive aus dem Staunen nicht heraus und ziehen so unser Fazit: Der Norden ist der Hammer!

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