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Alle Tieden Laesö

Die sympathischen Insulaner im nördlichen Kattegat verraten es bereits mit ihrem Slogan. Auf Laesö ist man das ganze Jahr über - also alle Tieden - willkommen. Für die Schweden ist Laesö ebenso gut erreichbar wie für die Dänen von Jütland und Seeland aus.

Die dänische und schwedische Nationalflagge weht auch am häufigsten in den zumeist überfüllten Häfen Vesterö und Österby. Auch Norweger trifft man dort oft an. Wir Deutschen müssen zunächst die dänische Südsee und den Kleinen oder Großen Belt passieren um ins Kattegatt zu gelangen. Und schon bald nach Hawaii, wie die kleine ungezähmte Schwester Anholt liebevoll genannt wird, kommt dann die reifere und größere Insel Laesö.

 

Vom Charakter ist sie mit vielen kleinen dänischen Inseln vergleichbar. Doch im Unterschied zu deren „Grundausstattung“ - ein kleiner Hafen, eine Kirche und ein Kro - gibt es dort gleich drei „By’s“ mit vielerlei Angeboten. Außerdem gibt es sehr viele Ferienhäuser, die zumeist in abgelegenen Blindvej’s versteckt und von Kiefern und Birken umgeben - quasi unsichtbar - sind. Die beiden Fähren Margrete und Ane spucken mehrmals täglich viele neue Touristen aus. Wo sie alle mit ihren Autos abbleiben, ist mir ein Rätsel. Die Insel verschluckt sie irgendwie.

 

Platt wie ne Flunder und etwa die Größe von Föhr, Heide- und Waldlandschaften wechseln sich auf Laesö ab. Für ausgiebige Rad- und Wandertouren also bestens geeignet – und das nutzen wir dann auch reichlich aus. Den höchsten „Berg“, von immerhin 23 Meter über dem Meeresspiegel, können selbst ungeübte Jogger erklimmen. Und wenn dennoch mal einer schlapp macht, kein Problem. Die „840“, das ist die kostenlose Buslinie der Insel, hat immer einen Platz frei. Ja, der Bus ist tatsächlich umsonst. Das hat in unserer heutigen Kosten-/Leistungsgesellschaft Seltenheitswert und gibt natürlich weitere Sympathiepunkte für das beschauliche Eiland dort oben im Kattegatt.

 

Hummer und Salz sind auf Laesö reichlich vorhanden, Seegras liegt auf den Dächern, die Bienen sind braun und die Möwen scheißen lila. So bunt gestaltet sich die Insel! Und dann gibt es da noch etwas, was mich jeden Tag auf’s Neue fasziniert - der Sonnenuntergang. Auf einer Anhöhe am Vesteröer Hafen versammeln sich Abend für Abend unzählig viele Menschen, schon lange bevor die Sonne im Meer versinkt. Sie haben Getränke oder Eis dabei und sitzen in gemütlicher Runde im Gras und entwickeln eine unglaublich schöne Atmosphäre. Manchmal klimpert noch jemand im angrenzenden Kro dezent auf der Gitarre. Und dann ist es soweit, am Horizont taucht der rote Feuerball langsam ins Wasser und der Tag klingt aus. Jeden Abend anders, doch immer das gleiche schöne Schauspiel.

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Dachdeckerkunst

Kaum ein Winkel der Insel bleibt uns bei unseren Radtouren verborgen. Die erste Tour führt uns nach Osten an das andere Ende der Insel. Über den Plantagevej fahren wir abseits der Hauptstraße gemütlich Richtung Österby. Mischwald und Heidelandschaft mit Moos durchsetzt bilden eine abwechslungsreiche Kulisse. Wir machen den einen oder anderen Schlenker, um uns besonders schöne Stellen anzusehen oder einfach mal eine Pause einzulegen. So stolpern wir auch in den Klitplantagen über den Laesö-Stein, der die Stelle markiert, wo einst diese Insel aus dem Meer entsprang. Während die alte Österbyer Kirche schon vor vielen Jahren von Sandverwehungen verschlungen wurde, präsentiert sich die neue kleine wunderhübsche Kirche in voller Blüte. Botanikfreunde kommen im Rhododendronpark voll auf ihre Kosten. Auf dem ganzen Weg sehen wir kaum Häuser und noch weniger Menschen, genießen also die Natur pur.

 

Und dann erreichen wir unser eigentliches Tagesziel, das Hedvigs Hus. Das einst mit Seegras eingedeckte Haus ist ein wahres Wunderwerk. Mit der weit herunterhängenden üppigen Dachwulst wirkt es fast irreal - wie im Märchen. Jetzt müssten nur noch die Schlümpfe heraustreten. Das Hedvigs Hus steht längst unter Denkmalschutz und dient heute als Museum. Von dieser einzigartigen Baukunst, die es weltweit nur auf Laesö gibt, kann man sich vornehmlich im Osten der Insel überzeugen. Dort gibt es noch ein paar weitere mehr oder weniger gut erhaltene Exemplare. Um deren Erhaltung bemühen sich einheimische Organisationen zusammen mit der Realdania Stiftung. Leider wurden auch viele Hausdächer längst mit zeitgemäßem Baumaterial versehen um Regen und Sturm zu trotzen.

 

Die Armut der Insulaner brachte es damals mit sich, ihre Häuser mit Rohstoffen einzudecken, die die Natur hergab. Und Seegras wird das ganze Jahr über an vielen Stränden angeschwemmt. Heute wird das lästige Unrat aufwändig vom Strand abgefahren, um den Badespaß nicht zu trüben. Doch damals, im 17. Jahrhundert, hatten die Insulaner den Wert dieses Rohstoffes bereits erkannt und beherrschten schon bald diese Dachdeck-Technik. Dabei wurde das Seegras in mehreren Schichten an die untersten vier Lattenreihen des Daches festgebunden. Der Rest des Daches wurde dann meterdick mit kräftigem langen Seegras lose eingedeckt. Auf den Dachfirst wurden abschließend große Grassoden gelegt. Häufig auftretendes Sandtreiben verdichtete dann das Seegras und verfestigte somit das ganze Konstrukt. Die Technik wurde über viele Jahre immer weiter verfeinert, bis 1930 das Seegras im Kattegat von einer Pilzkrankheit befallen wurde. Danach wurde es fast unmöglich, Reparaturen und Neueindeckungen dieser Art vorzunehmen.

 

Diese einzigartige Dachdeckerkunst weckte mein Interesse in sofern ganz besonders, da ich als junger Mann einem Reetdachdecker bei einigen Bauten zur Hand gegangen bin. Ein norwegisches Paar, das viele Jahre Laesö mit dem Segelboot besuchte, ist in einem solchen Haus „aus Liebe“ endgültig heimisch geworden. Sie kauften sich ein altes „Seegrashaus“ und bauten es nach ihren Bedürfnissen unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes um. Heute kommen viele Besucher zu ihnen, um Kunst, Cafe und Museum auf sich wirken zu lassen. Das Segeln hat das Paar aufgegeben.

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Jumfruhummer

Jedes Jahr, am ersten Wochenende im August, ist in Österby das bei Einheimischen und Touristen gleichermaßen beliebte Jumfruhummer-Festival. Grund genug für uns die Räder zu satteln, weitere Landstriche der Insel kennen zu lernen und schließlich den Fischereihafen in Österby anzusteuern. Das Riesenspektakel findet in diesem Jahr bei Kaiserwetter statt und alle sind bestens gelaunt. Einigen steht die Anspannung jedoch ins Gesicht geschrieben: Fünf internationale Nachwuchsköche haben sich der Aufgabe gestellt, einen Jumfruhummer - also einen Kaiserhummer - mit selbst gewählten Zutaten in 30 Minuten schmackhaft und kreativ zuzubereiten. Kritische Blicke der Juroren und staunende und zugleich aufmunternde Zaungäste begleiten das Geschehen. Die tolle Festtagsstimmung hält uns schnell gefangen. Auch bei den vielen kleinen Futter- und Getränkebuden im Freien ist der Andrang groß. Denn überall gibt es den Jumfruhummer in den unterschiedlichsten Variationen: gebraten, gegrillt oder gedünstet. Auch der selbst kreierte Original Osterbyer Hummerburger darf nicht fehlen. Außerdem werden auch Vorschläge zur Zubereitung gemacht und kleine Kostproben verteilt.

 

Die Spannung steigt, als die Juroren ihre Essproben abgeschlossen und ihr Urteil gefällt haben. Für die Nachwuchstalente geht es schließlich um die Wurst oder besser gesagt um die begehrte „Goldene Jumfruhummerschere“ 2010. Die Geduld wird durch das Anstimmen eines eigens hierfür getexteten Liedes noch weiter auf die Probe gestellt. Wir singen nach Leibeskräften mit – ohne Text und Melodie auch nur ansatzweise zu kennen. Schließlich überreicht kein geringerer als der dänische Gesundheitsminister höchstpersönlich unter tosendem Beifall dem erst 26 jährigen „Lokalmatador“ Rasmus Nielsen, Küchenchef (!) vom Strandgaarden in Vesterby, den Pokal.

 

Bei einer kleinen Verschnaufpause nach dem Spektakel beobachte ich, wie Rauchschwaden einer Rothändle Zug für Zug gen Himmel ziehen. Eigentlich nicht ungewöhnlich. Doch ich staune nicht schlecht, als ich als Verursacher den „Röde Orm“-Skipper Tom von unserer SVF entdecke. Woher, wohin und überhaupt … Zu quatschen gibt es immer was. Nach so einem anstrengenden Tag nehmen wir die „840“ für den Rückweg in Anspruch. Schließlich steht uns der Sonnenuntergang in Vesterö noch bevor.

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Salzsiederei

Unsere heutige Radtour führt uns in die Hauptstadt, nach Byrum. Die direkte Verbindung kennen wir bereits vom Bus. So wählen wir die etwas längere und schönere Route über Nebenstraßen und Waldwege zum Zentrum der Insel. Sogar einen kleinen abgelegenen Kanal überqueren wir. Mit der Selbstbedienungsfähre ist es kein Problem. Nicht etwa Knöpfchen drücken – nein, Hand über Hand wird das Gefährt samt der Fahrräder von einem Ufer des Fannemands-Kanal zum anderen gezogen. Und schon kann die Radtour weitergehen. Ein Erlebnis der besonderen Art, auf Laesä natürlich gratis. Wir staunen nicht schlecht, als wir wenig später in einer kleinen Gasse ein Hinweisschild „Brauerei“ sehen. Ja, Laesö verfügt tatsächlich über eine eigene kleine Hausbrauerei. Doch als Flensburger muss man ja nicht gleich jedes Bier trinken. Vielleicht war es auch ein Versäumnis.

 

Und irgendwann erreichen wir dann auch mal Byrum. Großstadtniveau erwartet uns dort nicht. Aber man bekommt in der Ladenstraße oder auf dem Wochenmarkt alle Dinge des täglichen Lebens. Die alte rote Kirche und das Pastorat mit dem wunderschönen Bauerngarten und Ententeich laden zum Verweilen ein. Auch hier gibt es verrückte Sachen. Jedenfalls ist mir neu, dass Holzschuhmacher Leuchttürme bauen! Das es geht, beweist der 17 Meter hohe Aussichtsturm in Byrum. Denn der steht seit 1927 wie ein Fels in der Brandung! Über den Erbauer erfuhr ich jedoch erst, als ich wieder unten war. Beim Rundumblick oben vom Turm, fiel mir das schöne Naturgebiet im Süden mit einer ausgeprägten Flora und Fauna und den weiten Strandwiesen ins Auge. Dort findet man auch die Salzsiederei, ein weiteres Markenzeichen Laesös.

 

Schon im Mittelalter wurde hier Salz gewonnen. Im Rahmen eines historischen Projekts kann man in einer aktiven Werkstatt viel über die damalige Salzgewinnung erfahren. Leider war uns eine deutsche Führung nicht vergönnt. Das „weiße Gold“ wird keineswegs nur zu Speisesalz verarbeitet und in kleine Säckchen gefüllt. Wegen der hohen Salzkonzentration und der natürlichen Mineralien werden aus der Restlauge auch Hautpflegemittel produziert und so landet das Salz in der Tube. Diese natürlichen Voraussetzungen bieten so auch gute Möglichkeiten für medizinische Kurbehandlungen und Therapien. In den Salzbädern kann man sich schwerelos treiben lassen. Und zwar im Kirchturm mit dem Glasdach – jawoll! In dem ehemaligen Gotteshaus in Vesterö, ist weit und breit kein Pastor im schwarzen Talar zu sehen. Kurgäste in langen Bademänteln lustwandeln heute ganz relaxt in dem altehrwürdigen Gemäuer. Und statt der Orgelmusik klingen hier passend zum Wellnessprogramm „Echoes of Nature“ dezent aus den Lautsprechern. Erst im vergangenen Jahr ist dieses Kurhaus mit allen erdenklichen Annehmlichkeiten entstanden. Schietwetter auf Laesö - kein Problem …

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Brune Bier

Ja, Schietwetter gab es dann tatsächlich noch am vorletzten Tag und vermasselte uns ein wenig unsere Tour. Doch wir sind ja nicht aus Zucker – wir doch nicht. Und so reichte es zwischen den Schauern noch für einen kleinen Ausflug. Und es gab ja auch noch ein paar unentdeckte Ecken. Auf den abgelegenen Sandwegen bekamen wir sogar noch einige gut versteckte Ferienhäuser zu Gesicht. Die vielen kleinen Verkaufsstände mit Naturalien gehören für uns schon zum ganz normalen Straßenbild auf der Insel. Doch wir stutzen über ein großes Hinweisschild mit der Aufschrift „Brune Bier“. Etwa noch eine Brauerei? Bei besserem Wetter hätte ich mir das Bier glatt gegönnt, ausnahmsweise sogar ein braunes. Doch Vorsicht! Es wäre nicht, wie unser Flens, die trockene Kehle hinuntergelaufen. Denn es ist sehr süß und klebrig und hat einen großen Schraubverschluss.

 

Dennoch bürgt das Etikett für beste Qualität: „Honning fra de Brune Bier pa Laesö“. Der Imker garantiert damit, dass der Honig von den seltenen braunen Bienen der Insel stammt, dass er die Zuchtarbeit dieser hochwertigen Rasse aktiv betreibt und dass der Honig ohne Pestizide produziert wurde. Wir klingeln an der Haustür und freuen uns anschließend über drei Gläser Honig und ein interessantes Gespräch mit dem Hobby-Imker, der ansonsten für FALK im Einsatz ist. Der würzige Heidekrauthonig ist der bekannteste. Unter ständiger Lebensgefahr kämpfen sich die Bienen auf dem Heidekraut von Blüte zu Blüte um die Nektartropfen aufzunehmen. Spinnen, Libellen und Bienenwölfe sind ihre ärgsten Feinde. Die Zuchtvereine sind durch kontrollierte Kreuzungen sehr um die Erhaltung dieser Bienenrasse bemüht. Die braune Biene gilt in Dänemark und ganz besonders auf Laesö als dänisches Kulturerbe. Denn schon die Wikinger nutzten den Honig der wild lebenden Bienenvölker zur Herstellung von Met.

Da auch wir gern Honig verkosten, freuen wir uns über den erstandenen Hindebaeger, Lyng- und Blomsterhonnig und über den netten Talk an der Tür.

 

Ach ja - die Möwen. Die mögen, wie wir Menschen auch, gerne Heidelbeeren. Und wo lila rein kommt, kommt auch lila raus. Zumindest ist es bei den Laesöer Möwen so. Am Strand wirkt es dann wie kleine Kunstwerke. Sie sehen nicht nur interessant aus, man sieht sie so auch viel besser und kann ihnen rechtzeitig ausweichen...

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Auch wenn an den beiden letzten Abenden die Sonnenuntergangsparade ausfiel, so schauen wir auf schöne Erlebnisse auf Laesö zurück. Welcher Segler bindet sein Boot während eines Törns schon für eine ganze Woche an den Steg? Hier haben wir es gern getan und keinen Tag bereut. Bestimmt liegt diese sympathische Insel irgendwann mal wieder auf unserer Route und wir erinnern uns dann gern: alle Tieden Laesö.


 

Flott unterwegs

Auch in den übrigen drei Wochen unseres Sommertörns gab es viele interessante Stationen. Wie heißt es so schön: der Weg ist das Ziel! So verlief insbesondere die erste Woche eher ungewöhnlich und wir erreichten Laesö mit einem kleinen Umweg. Mit Zwischenstation in Aarösund und Grenaa liefen wir bei gutem Wind bereits nach zwei Tagen Anholt an. Morgens um Neun kamen uns einige Meilen vor „Hawaii“ bereits die ersten Boote entgegen. Auch unsere Clubkameraden mit der SEASONG waren an diesem Tag früh unterwegs. So gab es kein Problem, in dem zumeist überfüllten Hafenbecken eine Lücke zu finden. Doch unseren Heckanker konnten wir bereits nach einer halben Stunden beim Ablegen eines benachbarten Bootes wieder liften. Ankersalat gehört eben zu den Spezialitäten der Insel. Weitere Spezialitäten und eine enorme Vielfalt waren beim täglichen kollektiven Grillen zu beobachten. Um 18 Uhr werden die drei großen Grills auf dem Platz angeheizt. Ein toller Service, der auch gut angenommen wird. Wein im Drei-Liter-Tetra-Pak ist längst salonfähig, den muss man nicht mehr verstecken. Doch, wer so richtig was auf sich hält, schlürft genussvoll Champagner, der im Sektkühler mit Crush-Ice (vom Fischer) auf Trinktemperatur herabgesetzt ist. Fußballfans können sich nach dem Grillen auf dem Acker von „Anholt United“ austoben.

 

So gibt es viele verrückte Sachen im und um den Hafen herum, die der Insel den jugendlichen Charme erhalten. Diese besondere Atmosphäre ist es wohl auch, die diesen kleinen Spatz (aus der Vogelperspektive) so anmutend wirken lässt und viele Seeleute anlockt. Unter den Deutschen waren im Übrigen auffallend viele FSC-ler - und es kamen immer mehr hinzu. Als schließlich auch noch die LOTTA mit dem 1. Vorsitzenden Jochen Frank im Vorbecken den Anker warf, hätte die Monatsversammlung starten können …

 

Starkwind hält uns noch einen weiteren Tag auf Anholt fest und ermöglicht eine ausgiebige Inselerkundung. Dann geht es mit Kurs Nordwest, zunächst noch vorbei an Laesö, Richtung Skagen. In Strandby legen wir einen Zwischenstopp ein. Ich traue meinen Augen nicht, als ich die vielen Boote mit „unserem“ Vereinsstander sehe. Doch ich kenne keines dieser Boote. Die Lösung: der dort ansässige Verein hat exakt den gleichen Vereinsstander, wie unsere SVF. Gleich nebenan in Frederikshavn gibt es dann noch die Variante weißer Stern auf blauem Grund. Ein Besuch der großen Fischauktion am nächsten Morgen darf nicht fehlen. Hochinteressant, wie der frisch angelandete Fisch kistenweise den Besitzer wechselt. Der Augenkontakt ist wichtig, verstanden habe ich kein Wort.

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Dann folgt bei besten Segelbedingungen eine kurze Passage nach Skagen. Ein weiteres Highlight auf unserem Törn. Tolle Hafenkulisse, tolle Atmosphäre, überall reges Treiben. Bei prächtigem Wetter fühlen wir uns wie am Mittelmeer. Mit dem Rad fahren wir in alle Himmelsrichtungen. Denn überall gibt es Interessantes zu sehen. Das schöne Gamle Skagen mit den vielen alten gelben Häusern ist ein Muss - und gleich dahinter schon die Nordsee. Tausende Touris strömen ganz nach oben, nach Greenen, wo Ost- und Nordsee sich vereinen. Uns zieht es natürlich auch dort hin. So richtig wohl fühlen wir uns nach den Anstrengungen des Tages bei den alten roten Packhäusern am Hafen. Schließlich gibt es da auch kulinarische Leckereien und kühles Bier. Am Abend setzt die Frauen-Band GASOLINE aus Kopenhagen noch einen drauf. Live und Open air - aller erster Güte, die Stimmung ist entsprechend gut.

 

Unser weiterer Kurs ist ungewiss, hängt von der Wetterlage ab. Eigentlich würden wir gern in drei Etappen via Hirtshals und Hansholm über die Nordsee in den Limfjord segeln. Der Seewetterbericht macht uns die Entscheidung nicht leicht: Nachts ist der beste Wind – und in zwei Tagen bläst er stürmisch aus Nordwest. Auch wir haben bei der Fischauktion gelernt. Ein kurzer Augenkontakt und die Entscheidung steht: In einem Rutsch nach Thyborön. Und schon geht’s los. Das hätte ich mir nicht träumen lassen. Bei absoluter Flaute motoren wir um das berüchtigte Kap vom Kattegat in das Skagerrak hinein. Erst zwei Stunden später setzt leichter Wind ein und ermöglicht uns einen emissionsfreien Antrieb. Hirtshals liegt bereits im Kielwasser, als in der Jammerbucht der Wind für zunehmend besseren Vortrieb sorgt. Auffallend viele Frachter fahren auf unserer Route.

 

Hansholm passieren wir schließlich gegen Mitternacht. Wegen der vielen Fischereifahrzeuge und unbeleuchteter Hindernisse nehmen wir hier einige Meilen Abstand zur Küste. So begleiten uns die Lichter von Hansholm eine halbe Ewigkeit. Außerdem arbeitet der Skagerrakstrom mit bis zu zwei Knoten gegen uns. Das macht den Weg nicht kürzer und auch nicht schneller. Doch mit dem Tagesanbruch weicht scheinbar die Müdigkeit bei Mensch und Schiff – es geht gut voran, das Ziel rückt näher. Die letzten Meilen vorm Limfjord ärgert uns schließlich noch eine fiese Dünung. Doch das ist schnell vergessen, nachdem wir gegen acht Uhr in Thyborön festmachen und uns ne Mütze Schlaf holen. Doch schon bald geht’s weiter, denn der Industriehafen Thyborön stinkt nach Fisch und bietet sonst n i c h t s .

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Schöne Tage im Limfjord

Mit dem Rund-Skagen-Kurs schließt sich der Kreis. Waren wir doch 2005 von Tönning kommend über die Nordsee in den Fjord gesegelt. Diesmal ist Struer unser erster Anlaufpunkt im Limfjord. Die Vorboten des für den nächsten Tag angekündigten Sturms treiben uns in den Venö-Sund, das Vorsegel reicht völlig aus. Freundliche hilfsbereite Stegnachbarn empfangen uns und gleich gibt es einen Plausch. „Wir sind Millionäre und kommen von Rügen!“ „Na – is ja doll …!?“ „ Zeitmillionäre“ wie sie anschließend betonen. Auch das oder gerade das ist beneidenswert. Der Havnemester ist bei seinem abendlichen Rundgang ebenfalls sehr redselig und so erfahren wir interessante Dinge über Land und Leute. U. a., dass Struer von den 37 Häfen am Limfjord den größten und –natürlich - schönsten Lystbadehavn hat. Wir konnten und wollten nicht widersprechen. Und so ließ es sich dort gut zwei Tage abwettern. Außerdem stand der Crewwechsel an.

 

Nach einer finalen Abschieds-Empfangs-Delikatesse aus dem Meer geht es mit der CHINTA bei angenehmem Rückenwind weiter durch die engen Windungen des schönen Fjords. Auf dem Weg nach Glyngöre – bekannt aus dem Fischregal im Supermarkt – empfangen wir eine Suchmeldung der MIRIAM. Einige Stunden später sitzen wir mit unseren lieben Stegnachbarn von der SVF im Cockpit und genießen den Sonnenuntergang und einen guten Tropfen. Ein ausgiebiger Spaziergang führt uns am nächsten Morgen zu einem erhabenen Anwesen, hoch oben im Wald über dem Limfjord.

 

Vorbei an Fur und Livö geht es weiter zur Muschelstadt Lögster. Unsere Anlaufziele bilden diesmal eine fast direkte Linie von West nach Ost. Die abgelegenen Buchten mit ihren idyllischen Häfen hatten wir bereits fünf Jahre zuvor im Visier. Und wieder ist es schön, der Laune der Natur zu folgen. Der Ursprung geht bis in die Eiszeit zurück. Die Verbindung zwischen Nord- und Ostsee gibt es jedoch erst seit 1825. Eine schwere Sturmflut durchbrach den schmalen Landrücken im Westen. Der hohe Salzgehalt hatte enorme ökologische Folgen, insbesondere für die Fischerei. Doch die dann einsetzende Frachtschifffahrt brachte den Menschen wieder Arbeit. Im Haus des Kanalvogts in Lögstör ist die Geschichte des Limfjords sehr anschaulich dokumentiert. Unweit vom Hafen, der sich hier in die Wassergabelung einschmiegt und von Muschelbergen am Strand eingesäumt ist. Wirklich einzigartig und schön. So hat jeder Hafen seinen ganz besonderen eigentümlichen Reiz.

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Der vorherrschende Westwind bleibt uns treu. Und so können wir auch im engen Fahrwasser mit Segelantrieb unser nächstes Etappenziel ansteuern. In Gjöl erkunden wir das Hinterland mit seinem Wildreservat per Rad. Dort befindet sich eines der größten Vogelrastplätze Dänemarks. Von einer Anhöhe haben wir einen wunderschönen Rundumblick. Außerdem lauschen wir den Ausführungen eines Naturkundlers, der gerade eine Besuchergruppe herumführt. Gjöl soll angeblich, so die Geschichte, eine Hochburg für Trolle sein. Uns laufen jedoch nur Schafe über den Weg.

 

Über die schmale flache Hafenausfahrt gelangen wir schließlich wieder in die Fahrrinne. Bis nach Aalborg, der drittgrößten Stadt Dänemarks, ist es nur ein Katzensprung. Große Banner weisen unübersehbar auf ein unlängst veranstaltetes Seglertreffen hin: The Tall Ships Races 2010. War das nicht vor zehn Jahren in Flensburg? Genau! Der Veranstaltungsort wechselt von Jahr zu Jahr, es ist für jede Stadt eine Ehre den Zuschlag zu erhalten. Aalborg ist bunt und von Gegensätzen geprägt. Schon im großen Sportboothafen treffen Welten aufeinander. Auf der einen Seite ist der Hafen eingerahmt von unzähligen kleinen beschaulichen rot-weiß gestrichenen Hytten - eben typisch dänisch. Die andere Flanke: eine große schwarze Wand, jedenfalls ist dies mein Eindruck der neu-dänischen Architektur. Diese quadratische aneinandergereihte Kastenbauweise im nordisch-kühlen (?) schwarzen Look scheint sich quer durchs Land wie ein Virus zu verbreiten. Zu oft haben wir sie schon gesehen – schade für das hyggelige Old Danmark.

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In der bunten quirligen Innenstadt pulsiert das Leben. In unmittelbarer Nachbarschaft zu den vielen Geschäften, Kneipen und Restaurants grenzt der Schlossgarten an. Die Kunsthalle und der Vestre-Badehavn mit dem Marinemuseum sind ebenso attraktive Ziele, wie die kleine vorgelagerte Insel Egholm. Natürlich sind auch die großen „Aalborger“-Tanks nicht zu übersehen. Falls ein kleines Fläschchen des über die Grenzen bekannten Aquavits reicht, muss man nicht extra nach Aalborg fahren. Das findet man in jedem gut sortierten Supermarkt, gleich neben dem „Glyngöre“. Und wenn die Shopping-Meile das Portemonnaie zu sehr strapaziert, kein Problem. Ganz in der Nähe ist die Trabrennbahn – und dann nur noch auf das richtige Pferd setzen!

 

Dieses Großstadtleben war doch gar nicht unser Ziel, wollten wir nicht nach Laesö?! Für die Kanalfahrt bis zum westlichen Ausgang des Limfjords, nach Hals, sind unsere 30 Pferde, tief unten im Schiffsrumpf, zuständig. Denn der Wind hat vorübergehend seinen Dienst quittiert. Auffallend wenig deutsche Boote begegnen uns während der ganzen Woche im Limfjord. Nun heißt es wieder „Hochseesegeln“ und der Wind hat sich besonnen, uns Vortrieb zu gewähren. Einen kleinen Schlenker machen wir dann noch über Frederikshavn, denn es hat sich Besuch angesagt. Gerne nehmen wir Britta und Hauke für ein paar Tage mit auf die Insel. Ja, das war der nicht ganz direkte Weg nach Laesö. Nicht immer ist der schnellste Weg der beste und schon gar nicht der schönste. Eine Woche Bummeln haben wir uns nun verdient.

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Kurs Heimat

Die letzte Woche ist für den Rückweg eingeplant. Auch auf dem klassischen Nord-Süd-Kurs erlauben wir uns trotz zunehmend schlechterer Witterung noch kleine Abstecher. In Grenaa erwarten uns bereits Sandy und Stephan im strömenden Regen. Sie beschlagnahmen sofort unsere Pantry um die mitgebrachten Leckereien zuzubereiten. So stelle ich es mir in allen Häfen vor. Das Catering war perfekt und der anschließende Gaumenschmaus ein Genuss. Am nächsten Tag revanchieren wir uns bei ihnen auf dem Campingplatz - bei strahlendem Sonnenschein - mit hausgemachten Delikatessen aus der alten Schlachterei in Grenaa. Am Abend erwartet uns ein Ohrenschmaus. Nach kurzem Zögern haben wir uns Karten für „Smokie“ gekauft – und haben es nicht bereut. Die alten Haudegen der 70er/80er Jahre sind zwar in die Jahre gekommen (wie wir auch …), aber sie haben Alice und die vielen anderen Ohrwürmer noch genauso drauf wie damals. Ob ihre Lockenpracht echt ist, bleibt ihr Geheimnis …

 

Mit dem Sound in den Ohren soll es dann über Hou nach Middelfart gehen. Doch irgendwie rutscht mir bei Juelsminde das Ruder aus der Hand. Und schwupp – landen wir in Vejle. Zeit und Wind lassen es zu. Aus dem geplanten „Anlege-Hamburger“ wird ein leckeres Büfett, denn im Hafen ist Volksfeststimmung und Kaiserwetter beim Tag der offenen Tür. Auch hier müssen wir die Stadt mal kurz inspizieren. Bislang kannten wir Vejle nur aus der Autobahnperspektive, hoch oben von der Brücke. Doch was uns nachhaltig beeindruckt, liegt gleich um die Ecke. Dort entstehen nämlich „Wellenhäuser“ mit acht Etagen und Blick auf den Fjord. Eine sehr eigenwillige und diesmal auch gelungene Architektur – geht doch! Zwei „Wellen“ stehen bereits, drei folgen noch. Wirklich sehenswert und – noch - einzigartig!

 

Wir müssen nicht erst in den 8. Stock, um den wunderschönen Fjord zu sehen. Wir erleben ihn live, Meile für Meile, wie schon auf dem Hinweg. Sonne und Regen sind nun im stetigen Wechsel. Oelzeug und Stiefel ersetzen Shorts und Sandalen. Kurz vor Middelfart treffen wir mal wieder auf Millionäre. “Was sollen wir bei diesem Wetter denn zu Hause?“ rufen die Skipper von der MIRIAM und ANNINA unisono mit breitem Grinsen unter dem Südwester rüber. Wohlwissend, dass unser Urlaub sich nun dem Ende neigt... Während die Rentner von der SVF am nächsten Morgen für das Schietwetter nur ein Gähnen übrig haben und sich noch mal in der Koje umdrehen, machen wir uns endgültig auf den Heimweg. Schließlich muss doch jemand Geld in die Rentenkasse spülen.

 

Friedrich Thordsen

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