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Zurück in Meck-Pomm

Unsere erste Station auf Usedom also, und es werden noch viele weitere folgen. Doch die polnische Gastlandflagge wird erst niedergeholt, nachdem wir Swinemünde und Umland ausreichend inspiziert haben. Durch die Kaiserfahrt motoren wir gemächlich ins Stettiner Haff. Nun sind wir Sturm und Welle erst einmal nicht mehr unmittelbar ausgesetzt. Das Augenmerk ist jetzt auf Untiefen und Fischernetze ausgerichtet. Und zwar kommen hier vermehrt Stellnetze und obenliegende Netze zum Einsatz. Die können sogar Motorbooten mit wenig Tiefgang zum Verhängnis werden.

Bei guten Segelbedingungen lassen wir uns bis in die Bucht von Kamminke treiben. Entlang an gut markierten, aneinander gereihten Fischernetzen. In der betonnten Hafeneinfahrt wird’s dann brenzlich: Nur noch 20 cm Wasser unterm Kiel. Doch es reicht, ganz langsam erreichen wir so unseren ersten deutschen Liegeplatz. Oben, vom Golm, mit 71 Meter die höchste Erhebung Usedoms, ist Swinemünde zum Greifen nah. Es sind auch nur sechs km Luftlinie, für den Seeweg benötigten wir 3 ½ Stunden. Auf dem Golm eine große Kriegsgräberstätte in Gedenken der vielen Toten des zweiten Weltkrieges. An einem einzigen Tag im März 1945 mussten nach einem Angriff der Amis 29.000 Menschen in Swinemünde ihr Leben lassen. Unfassbar!

Ein kleines Flüsschen markiert den Grenzverlauf, direkt neben dem Hafen beginnend. Ein Spaziergang führt uns noch einmal zurück nach Polen. Nur ein paar Schritte über eine kleine Brücke liegt ein riesiges Schrebergartenareal, das schon mehrfach nationale Auszeichnungen erhalten hat. Fernab vom Tourismus ist in diesem kleinen naturbelassenen Hafen die Welt noch Ordnung. Mit gefällt es, auch wenn wir hier auf Strom und Wasser verzichten müssen. Vielleicht sind wir deshalb die einzigen Übernachtungsgäste im Hafen. Bevor wir weiter ziehen, bekommen wir noch Besuch an Bord. Ich staune nicht schlecht: Zwei Zollbeamten klopfen an der Bordwand: „Papiere, Kauf- und Versicherungsnachweis, Zigaretten ...“. Nach der Pflicht die Kür: Es folgt ein längerer munterer Plausch. Ich erkundige mich noch nach dem Grund des Besuches und ob es einen besonderen Anlass gäbe. Seine Version: „Fluchthilfe, Schmuggel... schon alles erlebt...“. Meine Version: „Einfach nur lange Weile...“ Aber das behalte ich dann doch für mich.

moenkebudeAuf der gegenüberliegenden Seite des Haffs liegt einer der schönsten Häfen der Region: Mönkebude. Das Vorsegel reicht aus, um 2 ½ Stunden später in dem kleinen schnuckeligen Hafen festzumachen. Strom und Frischwasser selbstverständlich auf dem Steg. Badestrand gegenüber, Sanitärgebäude mit Waschmaschinen und ein super-netter Hafenmeister. Doch, etwas Negatives gibt’s hier auch: Auf der Großleinwand verfolgen wir mit fachkundigem Publikum den endgültigen Untergang unserer Nationalmannschaft bei der Fußball-WM.

Baden, radeln (ins benachbarte Ueckermünde), einfach nur chillen und dann noch „Hering satt“. Auch an die traumhaften Sonnenuntergänge zum Tagesausklang haben wir uns längst gewöhnt. Es geht uns gut! Und zur Abwechslung zurück nach Usedom. Nach Karnin kann ich fast hinspucken. Liegen dort fast mit dem Bug im Schilf. Die Reste der zerstörten Eisenbahnbrücke ragen hoch in den Himmel hinein. Dann sind hier noch meine „Freunde“ vom Zoll mit ihren Booten untergebracht. Die Landstraße zu dieser Idylle, die reinste Katastrophe. Die hatten sie bei der Wende ganz offensichtlich nicht auf dem Zettel. Dennoch traue ich mich auf dem Rad bis zum gleichnamigen Ort der Insel Usedom. Uns wurde abgeraten, den dortigen Hafen wegen Tiefgang und Umbau anzulaufen. Mit Recht: Den Hafen gibt’s zurzeit schlichtweg nicht – alles weg! Wird mit EU-Mitteln ganz neu aufgebaut. Und ich dachte schon, die ganzen Förderungsmittel gehen nach Polen...

Die Räder verstauen wir nun nicht mehr in der Backskiste, sie sind im Dauereinsatz und die Tagesetappen im Peenestrom meist kurz. Hab nach der holprigen „Marlboro-Strecke“ vorsichthalber alle Schrauben am Fahrrad geprüft und nachgezogen. Die Wassertemperaturen haben längst die 20-Grad-Marke übersprungen. So beginnt der Tag meist mit einem Morgenbad vorm Frühstück. In Karnin beenden wir unser Frühstück jedoch abrupt, als wir bemerken, dass die Klappbrücke in Anklam eine Stunde früher öffnet als angenommen. Wunderten uns zunächst noch über die Betriebsamkeit unserer Nachbarn...

Das Vorsegel bleibt zunächst unser Hauptantrieb. So auch auf der zweistündigen Passage nach Rankwitz. Gegen ein zweites Frühstück gibt’s keinerlei Einwände. Die nächste Mahlzeit dann spätnachmittags in der weit über die Region bekannten „Alten Fischräucherei“, direkt am Hafen. Wer gern Fisch isst, sollte tunlichst nicht ohne hier einzukehren vorbei fahren. Auch am Verkaufstresen bilden sich oft lange Schlangen. Gern bleiben wir hier einen weiteren Tag. Freunde besuchen uns, also gleich noch mal lecker Fisch.

Auf der Route durchs Achterwasser ist ganz besondere Vorsicht geboten. Ein Fischernetz wird einem uns entgegenkommenden Segelboot zum Verhängnis. Es geht nicht mehr vor und nicht zurück. Die Schraube hat sich im Netz verheddert. Ein Tauchgang ist nun unausweichlich. Der beschauliche Hafen von Stagnieß liegt quasi in einer Waldlichtung. Die Einfahrt kann laut Hafenhandbuch gelegentlich versanden. Bin zunächst verunsichert – und dann erstaunt, als ich die neuen Spundwände in der Zufahrt entdecke. So ist langfristig eine ausreichende Solltiefe gewährt. Wie durch einen Flaschenhals erreichen wir die nach allen Seiten geschützten Liegeplätze. Ein Traum! Zu den schönen Stränden Usedoms ist es von hier nur ein Katzensprung. Unsere Radtour führt über Ückeritz durch bewaldete Wege nach Koserow und Bansin.

getraenkDas Ostseebad Zinnowitz ist zwar recht bekannt, für Segler aber weniger spannend. Umso mehr freuen wir uns auf Krummin, ganz am Ende der Krumminer Wiek. „Da müsst ihr unbedingt hin!“ Das haben wir nun schon mehrfach gehört. Und wir wurden in dem idyllischen Naturhafen nicht enttäuscht: Der Hafenmeister versorgt uns morgens mit Brötchen und steht abends am Grill. Gleich um die Ecke ist die „Naschkkatze“. In dem verwunschenen Bauerngarten findet man immer ein lauschiges Plätzchen für Kaffee und Kuchen und andere kleine Leckereien. Obendrein 5-Sterne-Feeling im neuen Sanitärbereich des Hafens. Gern bleiben wir hier ein paar Tage. Eine Radtour ins benachbarte Wolgast sorgt für Bewegung und Abwechslung. Auf dem Rückweg folgen wir dem Küstenverlauf, landen in dem verschlafenen 50-Seelen-Örtchen Neeberg und halten nach Dornröschen Ausschau...

Unsere achte und letzte Station auf Usedom steht noch aus. Der Wasserweg nach Karlshagen ist dann wiederum gespickt mit Hindernissen. Im letzten Moment erahne ich kurz vor dem Peenestrom mehr schlecht als recht markierte Fischernetzte. Mit einem 90-Grad-Sofort-Manöver und einem kleinem Umweg erreichen wir das Fahrwasser. Zwischen dem Tonnenpaar 57 und 68 ist die Fahrrinne offensichtlich teilweise versandet. Mehrere Segler berichteten schon von überraschender Grundberührung. Ganz langsam passieren wir, nahe der grünen Tonne, diese vermeintliche Gefahrenstelle – ohne Komplikationen. Hinter der Wolgaster Klappbrücke kommt dann im Konvoi mit etwa 20 Booten Regattafeeling auf. Zunehmender Wind und das schmale verwinkelte Fahrwasser treibt mir den Schweiß auf die Stirn. Der Hafen ist rappelvoll, ein Plätzchen finden wir dennoch. Das Fischangebot mal wieder reichlich und gut. Da geht kein Weg dran vorbei. Die gute Seemannskost strampele ich mir dann bei einem abendlichen Ausflug nach Peenemünde wieder ab.

 

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