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Meck-Pomm     mp2020 kopf

 

Unter anderen Umständen

Strahlendes Blau am Flensburger Himmel. Erst im Laufe des Tages ziehen vereinzelnd Wolken auf. Als dem Wind die Puste ausgeht, haben wir die Sonderburger Bucht bereits erreicht. Nun müssen 30 Pferdestärken, tief im Bauch unserer CHINTA, die Kraft des Windes ersetzen. Generalkurs Ost. Mehr haben wir nicht geplant für den diesjährigen Segeltörn. Das heißt, weitere Alternativen standen auch kaum zur Wahl, da plötzlich nichts mehr ist, wie es vorher war.

Wir schreiben das Jahr 2020. „Der Segelvirus“, der Titel meines zuvor veröffentlichten Buches über die Liebe zum Segeln, bekommt nunmehr eine andere Bedeutung – einen bitteren Beigeschmack. Was ist passiert? Ein „hoch explosiver China-Export“, mit dem melodischen Namen Corona, hat sich rasend schnell zu einer weltweiten Pandemie ausgebreitet. Nach anfänglicher Verunsicherung wurde schnell klar, dass dieses Virus es mit der Menschheit bitter ernst meint.

So kam es zum Kampf gegen einen Feind, den man nicht näher kennt, nicht sieht, nicht hört, nicht riecht. Bei den vielen restriktiven Maßnahmen in Deutschland, wünschte ich mir, während der kritischen Phase nirgendwo anders zu sein. Kontaktvermeidung und sensibler Umgang mit der Hygiene wurden so zum obersten Gebot im Alltag. Einreiseverbote brachten den Tourismus zum Erliegen. So wurde das Segeln und andere Dinge, die uns am Herzen liegen, zur Nebensache deklariert. Not und Verzicht verschoben die Relationen. Was bisher als selbstverständlich galt, war nun ein Geschenk, wenn man es denn bekam.

Entsprechend groß war die Freude, als mit einigen Wochen Verzögerung die Boote ihrem gewohnten Element zugeführt werden konnten. Der Genuss, wieder Segeln zu dürfen, war spürbar größer als die Jahre zuvor. Oder, wie die Werbung es verspricht: „Bislang war es Schokolade und nun die längste Praline der Welt“.

Auf Höhe des Leuchtturms Falshöft setzt der Wind wieder ein, die Segel füllen sich, das Herz lacht. Ein freundlicher Gruß gilt der Giftbude von Schleimünde. Schweren Herzens rollen wir vor der Hafeneinfahrt von Damp die Segel ein, um dort unseren ersten Stopp einzulegen. Dort und auch in allen weiteren Häfen werden wir freundlichst auf Abstands- und Hygieneregeln hingewiesen.

In Damp geschieht dies in der Sprache der Wikinger. Und so halten wir stets eine Schwertlänge Abstand und der „Schnuutenpulli“ ist immer dabei. Die meisten Menschen verhalten sich erstaunlich verständnisvoll und diszipliniert. Einzig in Ballungszentren, die eine gewisse Magnetwirkung ausstrahlen, wird es schon mal „bedrohlich“ eng. Umso sicherer fühlen wir uns draußen auf dem Wasser.

Bei mäßigem Wind aus Nordwest zeigt die Bugspitze am nächsten Morgen auf Fehmarn. Doch hinter der stark frequentierten Kieler Förde lauert Gefahr anderer Art: Schießübungen in der Howachter Bucht. Die Geräuschkulisse bestätigt die Aktivitäten unserer Bundesmarine. Am Tag zuvor hatte ich mir sicherheitshalber die Erlaubnis eingeholt, den Kiel-Fehmarn-Weg befahren zu dürfen. Reger Funkverkehr auf Kanal 16 und 11 deutet auf verunsicherte Schiffsführer hin. Zumal die erweiterte Sperrzone weit nördlich des Schifffahrtsweges verläuft. Doch alles geht gut, niemand hat am Ende des Tages Kampfspuren zu beklagen.

Gleich hinter der Fehmarnsundbrücke, dem sogenannten Kleiderbügel, logieren wir die nächste Nacht bei der Schaich-Werft. Optimale Segelbedingungen sorgen am folgenden Tag für eine schnelle Überfahrt nach Kühlungsborn. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es derzeit bundesweit die wenigsten Corona-Fälle. Welch beruhigendes Gefühl. In den Nachrichten erfahren wir, dass die Einreise nach Dänemark unter Auflagen nun wieder möglich ist. Hatte Tage zuvor noch die Option einer „Durchreise“ mit Übernachtung in Bagenkop und Gedser geprüft, doch keine konkrete Aussage von offizieller Seite erhalten.

Auch Meck-Pomm erlaubt erst seit zwei Wochen wieder die Einreise von Touristen. Das hat unsere Tochter samt Familie und Wohnwagen direkt wahrgenommen. So werden wir im Hafen herzlich begrüßt und das Anlegegetränk schmeckt nochmal so gut. Das beliebte Seebad mit einer drei Kilometer langen Promenade und feinstem Sandstrand zieht bei sommerlichen Temperaturen auch in diesem verrückten Jahr viele Touristen an.

Ein Vorgeschmack auf Warnemünde. mp2020 warneMit den vielen Fischbuden und Lokalitäten am Alten Strom ballt es sich dort so richtig. Wir versuchen es im Sinne des Wortes zu umgehen. So bevorzugen wir die hübschen, schmalen Gassen und den weiträumigen Strand und beobachten von unserem Liegeplatz an der Mittelmole das emsige Treiben der vielen Optis der angrenzenden Yachtschule und den regen Schiffsverkehr auf der Warnow. Auch die großen Fähren zwischen Rostock und Trelleborg pendeln zu meinem Erstaunen, trotz bestehender Einreisewarnung nach Schweden, mehrmals täglich.

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