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 Ab in die Bodden

Die Südspitze Rügens mit dem „Klein Zicker“ ist ein wahres Naturparadies, abseits des Tourirummels. Außer zweimal in der Woche, wenn das beschauliche Fischerörtchen Thiessow mit den vielen Marktständen zum Publikumsmagneten der Insel wird. Auch wir schauen uns dort früh morgens um und kehren mit frischem Holzlukenbrot zurück. Der Kaffee dampft schon.

Gestärkt erkunden wir die nähere Region und genießen den fantastischen Weitblick vom „Kleinen Königsstuhl“. Vorsorglich gibt’s nach dem Abendessen in der Fischerklause für jeden Gast eine „Anti-Corona-Schluckimpfung“. Die soll angeblich sogar autofahrertauglich sein...

Übrigens, die Hafenmeister von Thiessow wurden offensichtlich besonders kundenfreundlich geschult. So bekam ich vor zwei Jahren beim Einchecken eine Flasche Flens in die Hand gedrückt – einfach so! Und die neue Hafenmeisterin schneidet den Skippern auf Wunsch so ganz nebenbei die Haare, legt mal eben ein paar Boote um (die Skipper Gott sei Dank nicht), um Platz für weitere Ankömmlinge zu schaffen und hat in ihrer überdimensionierten Latzhose immer einen lockeren Spruch auf den Lippen.

Die Neugierde treibt uns in einen weiteren schmalen Seitenarm des Greifswalder Boddens, der schließlich in den Selliner See mündet. Für die nächsten Tage ist reichlich Westwind angekündigt, so stellen wir uns auf einen längeren Aufenthalt in Baabe ein. Dort, wo eine kleine Ruderfähre Leute nach Moritzdorf übersetzt. Auch wir nutzen dieses Angebot samt Fahrräder, um den Selliner See zu umrunden. Im Hafen von Sellin haben Freunde von uns festgemacht, dort gibt’s einen starken Kaffee und einen ausgiebigen Schnack.

Kurios, ein paar Plätze weiter entdecke ich doch tatsächlich die COMORAN aus Heiligenhafen. Dem Skipper bin ich heute noch dankbar, hat er uns doch vor ein paar Jahren in den Bodden aus einer Notlage befreit. Wir lagen auf Schiet. Über den späten Dank, eine Flasche Rum, hat er sich sichtlich gefreut. Wie heißt es doch gleich: Man sieht sich immer zweimal im Leben...

Wie vorhergesagt peitscht der Wind mehre Tage mit 6 – 8 Beaufort übers Wasser. Der Bodden ist quasi unpassierbar. Die Trockenphasen nutzen wir für Ausflüge mit Rad und Bäder-Bahn in dem für mich schönstem Teil Rügens. Die kleinen märchenhaften Dörfer, wie Middelhagen und Altensien, sind touristisch kaum erschlossen und gerade deshalb so reizvoll. An den endlosen Stränden von Göhren, Baabe und Sellin ist man gut vor dem Westwind geschützt. In das Pfeifkonzert des Windes mischt sich immer wieder mal das laute Stöhnen des dampfenden „Rasenden Rolands“ ein.

Ein kleines Wetterfenster nutzen wir für die kurze Passage nach Lauterbach. Schließlich hat der Sturm sich ausgepowert, der Bodden ist nun wieder zahm. Doch Petrus verabreicht uns auf der Kreuz im Strelasund noch eine kalte Dusche. Auf Höhe der Fährlinie, bei Stahlbrode, meldet sich der Wind plötzlich mit starken Böen und Regen zurück. Im Nu steht dort eine beachtliche Welle. Schnell sind die Segel geborgen und so erreichen wir mit Motorkraft den geschützten Hafen von Dänholm. Heißer Tee mit Rum weckt in mir die Lebensgeister und wärmt so richtig schön durch – mitten im Juli.

mp2020 regenAuch für unsere letzten Tage in Meck-Pomm hält die Wetterküche eine abwechslungsreiche Karte bereit. Eben schmückte das schönste Blau noch den Himmel. Dann, wie von Kulissenschiebern inszeniert, eine graue Wand und schon schüttet es wie aus Eimern. In der geschützten Kuchenbude genießen wir das Naturschauspiel sogar ein wenig. Doch am Nachmittag gibt’s auf dem Fahrrad ein nasses Fell. Da setzt der Genussfaktor erst beim aufmunternden Teepunsch ein. mp2020 wegweiser

Nach der morgendlichen Brückenöffnung lassen wir Stralsund im Regen stehen und freuen uns, in Öl gehüllt, auf die Sonneninsel Hiddensee. Hoch am Wind passieren wir die unzähligen roten und grünen Tonnen des schmalen Fahrwassers. Nur selten zeigt die Logge unter 7 Knoten an. Da wird reichlich Adrenalin produziert und das Seglerherz pocht.

 

 

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