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Im Osten viel Neues

„Unser Segeltörn geht dieses Jahr nach Polen“. „Und wie kommt ihr zurück?“ Dieser Dialog fand wiederholt statt, als wir uns mit Freunden über unsere Urlaubspläne austauschten. Um es vorwegzunehmen, wir fühlten uns selten sicherer als in den polnischen Häfen. Unsere „Chinta“ liegt mit 800 unvergesslichen Seemeilen im Kielwasser und allem Zubehör längst wieder im heimischen Fahrensodde. Und zumindest wir haben die Vorurteile bezüglich unserer polnischen Nachbarn abgebaut. Die Idee zu diesem Törn entstand durch einen interessanten Bericht über das Stettiner Haff mit dem Hinweis der Einreiseerleichterung. Durch das Schengener Abkommen verläuft der Grenzübertritt seit 2008 nicht anders als die Einreise nach Dänemark. Papierkrieg und Schikanen waren gestern. Der EU-Beitritt Polens wird das Land in den kommenden Jahren in vielerlei Hinsicht verändern. Gerade deshalb waren wir neugierig auf das Ursprüngliche, die heute noch unberührten naturbelassenen Landstriche an der Odermündung und auf die Menschen, die dort leben.

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Mit reichlich Rückenwind durch die Kadetrinne

Beim Ablegen in Flensburg fordert Petrus gleich zu Beginn unseres Törn unser Ölzeug heraus. Der Wind reicht gerade so zum Segeln, doch schon bald setzt sich die Sonne durch. Die richtige Einstimmung auf unser neues 10-Meter-Quartier der nächsten Wochen. Im Kleinen Belt war dann Schluss mit lustig. Der Wind hatte inzwischen ordentlich aufgefrischt und unsere Pläne einer schönen lauschigen Nachtfahrt platzten wie Seifenblasen. So liefen wir am späten Abend Bagenkop an. Früh morgens ging es weiter mit Kurs auf Gedser. Auf der Höhe von Rödby waren schon die ersten Bauaktivitäten der Fehmarn-Belt-Brücke zu sehen, vielleicht wurden auch nur Bodenproben entnommen. Eine weitere Baustelle passierten wir bei Rödsand. Im gigantischen Windpark wachsen weitere Betonfundamente aus dem Wasser. Die Windenergie ist auf dem Vormarsch. Eine Fähre „schiebt“ uns schließlich durch das enge Fahrwasser zu unserem nächsten Etappenziel.

 Die Nacht an der Südspitze Falsters ist laut. Der Wind hat weiter zugelegt und pfeift sein Lied an den Masten im Hafen. Hier und da klappert ein Fall. Meine Musikrichtig ist es nicht! Ein müder Blick auf die Windanzeige am nächsten Morgen verheißt nichts Gutes. SW 7, die Bettdecke wandert sogleich wieder über den Kopf. So setzen wir erst gegen Mittag unsere Reise fort. Der erforderliche Vorsegelwechsel gelingt uns nur mit viel Mühe. Eine Segellatte verabschiedet sich auf Nimmerwiedersehen. Die ersten vier Meilen müssen wir bei zwei Meter Welle voll gegenan. Mir ist etwas mulmig. Doch unsere 30 Pferde leisten zuverlässig ihren Dienst. Dann endlich rollen wir die hochgeschnittene Fock aus und nehmen mit 85 Grad Kurs auf Rügen. Wir schließen vorsorglich das Schott zum Salon, die Lifebelts sind eingeklickt, das Groß bleibt vorerst arbeitslos. Mit 8 SM/Std. sind wir schon bald auf gemeinsamen Kurs mit den dicken Pötten. Wir überqueren die Seewasserstraße und halten in der berühmtberüchtigten Kadetrinne , die jährlich von 60.000 Schiffen durchfahren wird, reichlich Sicherheitsabstand zur Großschifffahrt. Gelegentlich geht der Speedometer in den zweistelligen Bereich, es macht Spaß! Ein kurzes Versteuern wird stets mit einer Salzwasserdusche bestraft. Siggi und ich lösen uns bei dem anstrengenden Ritt stündlich ab. An Steuerbord zeichnet sich der Dornbusch von Hiddensee immer deutlicher ab. Schon bald nehmen wir Kap Arkona ins Visier. Für die letzten 15 Meilen kommt auch das Groß zum Einsatz. Mit angenehmen 3-4 Windstärken laufen wir am Abend Glowe, am Ende der wunderschönen Tromper Wiek, an. Der Einlaufsherry findet dankbare Abnehmer.

Rügen gefällt uns, wir legen einen Hafentag ein. Doch faulenzen ist nicht. Wir packen die Bordräder aus und inspizieren das nach Norden verlaufende schmale bewaldete Landstück, die Schaabe. So erreichen wir auf dem Landweg über Juliusruh den nächsten Hafen Breede mit einem reizvollen Blick auf den Jasmunder Bodden. Für den Abend steht Störtebecker auf dem Plan. Doch die wenigen Restkarten auf den hinteren Bänken halten uns davon ab. So decken wir uns kurzfristig beim nächsten Supermarkt mit reichlich frischen Zutaten für eine Fischsuppe ein. Und die ist Siggi dann auch so richtig gut gelungen, Kompliment! Nur eines hatten wir nicht bedacht, wir sind nur zwei und nicht sechs Personen. Doch wir wachsen mit der Aufgabe …

 



Polen, wir kommen

Nach dieser kleinen Ruhepause steht uns ein wunderbarer Segeltag bevor. Mit leichter Brise und bei herrlichem Sonnenschein geht es um die große Stubbenkammer und am malerischen Kreidefelsen, dem Königstuhl, vorbei. Das hat vor 200 Jahren auch schon der Künstler Kaspar David Friedrich erkannt. Die weitgezogene Bucht mit dem Vorzeigekurort Binz und dem kilometerlangen historischen „Kraft durch Freude“-Bauwerk in Prora zeichnen sich schemenhaft im Dunst an Steuerbord ab. Swinemünde, unseren ersten polnischen Hafen, können wir zunächst genau anlegen. Doch der Wind legt etwas zu und dreht auf SO. Jetzt ist es verlockend Kolberg, eines der schönsten Hafenstädte Polens, anzulaufen. Der Umweg von 40 Meilen hält uns jedoch davon ab. Und so nehmen wir die eine und die andere Kreuz nach Swinemünde in Kauf. Wir haben erneut unseren Spaß, heute sogar mit Shorts und Sonnenbrille. Die idealen Bedingungen lassen uns nicht müde aufs Segeln werden. Doch die markanten Windmühlen in der Hafeneinfahrt von Swinemünde deuten unmissverständlich auf das nächste Etappenziel hin. Mit der rotweißen Gastlandflagge unter der Saling erreichen wir nun ein mir bislang unbekanntes geschichtsträchtiges Land. Gleich nach dem Festmachen stürzt Siggi zum nächsten Bistro und serviert uns polnische Bockwurst und ein kühles Bosman-Bier – Premium Quality versteht sich. Nach dem Einlaufen schmeckt alles, Ankommen ist schön!

Selten war ich auf ein neues Land so schlecht vorbereitet. Ich kenne nicht einmal den Tauschkurs. Von Zlotys hatte ich immerhin schon gehört. Nun dann – freundliche hilfsbereite Menschen gehören zu den ersten positiven Eindrücken. Gleichwohl bin ich noch mit Vorurteilen belastet. Doch schon unser erster polnischer Hafen bietet einen 24-Stunden-Service einschließlich Bewachung des gesamten Hafengeländes. Das sollte sich später noch fortsetzen. Ein weiterer Hafentag bringt uns Land und Leute näher. Beeindruckt sind wir von der neuen Promenade genauso wie vom ursprünglichen typischen polnischen Markt (nicht der Touri-Markt). Dort decken wir uns mit frischem Gemüse und Obst für wenig Geld ein. Natürlich fallen uns im krassen Widerspruch zu den vereinzelnd sanierten Bauten die vielen heruntergekommenen baufälligen Straßenzüge auf. Das Land steht gerade erst am Anfang des Umbruchs.



Das Stettiner Haff

Wir sind gespannt, was uns in der Provinz erwartet. Durch den Kaiserfahrt-Kanal erreichen wir das Stettiner Haff. Im Haff baut sich rasch eine extrem kurze unangenehme Welle auf. Doch heute ist es glatt wie eine Eisfläche. Dafür haben wir eine andere Herausforderung: die flache und schmale Fahrrinne nach Wollin, unser nächstes Ziel. Hier mündet die Dziwna in das Haff und ist in der Seekarte mit nur 1,7 Meter angegeben. Wir lassen es drauf ankommen – und haben Glück. Überall mindestens 3 Meter Wassertiefe! Offensichtlich hat sich Wollin auf Besuch eingestellt und gebaggert – danke! Auch im weiteren Flussverlauf müssen wir genau navigieren und die ausgelegten Tonnen beachten. Wir werden belohnt mit Natur pur. In der Kleinstadt Wollin gehen wir längsseits an die Kaimauer mit der mächtigen Kathedrale im Hintergrund. Hinter den gepflegten parkähnlichen Grünflächen liegt der Ortskern mit vielen klitzekleinen Geschäften. Nicht immer sind sie als solches zu erkennen. An den vielen Marktständen davor herrscht reges Treiben. 90 Prozent der Häuser befinden sich in einem heruntergekommenen baufälligen Zustand. Doch auch hier ist der bevorstehende Umbruch erkennbar. Ganz in der Nähe des abbruchreifen Bahnhofs ist ein größerer nagelneuer Bau mit der Leuchtschrift „NETTO“ bezugsfertig. Dieser erste Discounter wird schon bald das Leben in diesem verträumten Örtchen reichlich durcheinander wirbeln.

Übrigens, von Norden kommend kann Wollin endlang der gleichnamigen Halbinsel auch von kleineren Booten mit einem Tiefgang von max. 1,5 Meter angelaufen werden. Brücke und Hochspannungsleitung erlauben eine Durchgangshöhe von max. 12 Meter. Der kleine Abstecher hat sich gelohnt, doch die Neugierde treibt uns weiter quer über das Haff nach Neuwarp und Altwarp. Beide Orte liegen unmittelbar an der deutsch-polnischen Grenze und haben viel Geschichte aufzuweisen. Wir übernachten in dem kleinen polnischen Dorf Neuwarp. Der sehr freundliche Hafenmeister hilft uns beim Festmachen, Gesprächsstoff gibt es auch genug. Den Einlauf-Sherry (hat er sich verdient) gibt er dankend an seinen Freund weiter, der uns später mit reichlich frischen Fisch für unseren Grillabend versorgt. Bei unserer kleinen Ortsbegehung finden wir zwar keinen Bäcker, dafür aber viel Armut- mein Gott! Für einen Morgenspaziergang legen wir vis a vis im deutschen Altwarp an. Welch ein Unterschied. Hier ticken die Uhren anders, obwohl diese beiden Orte nur zwei km trennen.

Zurück nach Polen und zwar nach Ziegenort bzw. Trzebiez. Ich bleibe lieber bei den deutschen Ortsbezeichnungen. Hier ist eine große staatliche Segelschule angesiedelt, zumindest laut Reiseführer. Zwei größere Hafenbecken stehen uns zur Verfügung. Der Fischfang gibt hier vielen Leuten Arbeit. Die Häuser im Ort, wie überall, grau in grau und seit 50 Jahren nichts dran gemacht. Also rasch weiter und zwar nach Stepnica.

 

Würde ich es hier nicht erwähnen, bliebe es ein Geheimtipp. Wir legen im Gewerbehafen an, was nicht erlaubt ist. Keine weiteren Schiffe oder Menschen zu sehen, gespensterhafte Stille. Das Tor des umzäunten Geländes lässt mit einem unüberhörbaren Knarren eine Ortsbesichtigung zu. Im angrenzenden Fischereihafen werden eifrig die Reusen für den nächsten Fang vorbereitet und die letzte Fischanlandung verarbeitet. Es stinkt hier wie Hulle und alles ist total verdreckt. Mittendrin gestandene Frauen (mit Kippe im Mundwinkel) und Männer (von leeren Bierflaschen umsäumt). Sie machen schweißtreibend ihren Job. Das kleine Hafenbecken ist sehr flach und somit für tiefgehende Kielboote ungeeignet. Ein paar Straßenzüge weiter stoßen wir in diesem kleinen abgelegenen Ort auf die „City“. Hier herrscht erstaunlicher Weise emsiges Treiben. Wir finden zunehmend Gefallen an diesem verträumten Ort. Doch nun zum Geheimnis. Am Ortsausgang sind wir schnell wieder inmitten unberührter Natur. Wir folgen einem Bachlauf, der sich rasch zunehmend zu einem kleinen Flüsschen entwickelt. Die Überraschung ist groß, als wir hinter der nächsten Windung, wie auf einer Schnur aufgezogen, an die 50 Boote am Ufer des mit Schilf umsäumten Flusses liegen sehen. Sogar ein Segelboot mit etwa 40 Fuß hat sich hierher verirrt. Idylle pur, Seglerherz was willst du mehr! Doch zurück zu unserem Gewerbehafen. Unsere Chinta liegt da noch gut vertäut (wir sind ja auch in Polen). Inzwischen haben sich zwei weitere Segler hier her getraut. Wir erzählen natürlich nichts von unserem Geheimnis und machen uns stattdessen auf den Weg in Richtung Stettin. Nach der kleinen Flussmündung zum verwunschenen Hafen halten wir vergebens Ausschau.

Das 900 Quadratkilometer große und zumeist nur fünf Meter flache Haff liegt nun hinter uns. Wir fahren die relativ breite Oder flussaufwärts und sind begeistert von soviel Natur. Hier ist erstaunlich wenig Betrieb, hatten mit mehr Frachtschiffen gerechnet. Nur die Schnellfähre Stettin – Swinemünde stört dreimal täglich diese friedvolle Atmosphäre. Unser Motor natürlich auch! Häufig schauen wir durchs Fernglas, um Details zu erhaschen. So entdecken wir unter anderem einen Seeadler am Ufer, der sich nicht von der Stelle rührt. Schade eigentlich, die gigantische Spannweite der Flügel von 2,50 Meter hätte er uns gern vorführen können. Die Komorane, die es hier reichlich gibt, zählen nicht zum Freundeskreis der Fischer, denn sie sind bekanntlich die größten Fischräuber. Und nicht nur das. Die Bäume, die sie an der Uferböschung besetzt haben, sind alle kahl. Durch das Kotkonzentrat der Vögel sind sie längst eingegangen. Uns wird es nicht langweilig. Viele Nebenarme und auch ganze Seenplatten machen die Oder zu einem Delta und Naturreservat, das seines gleichen sucht. Nach Norden hin verändert sich das flache Hinterland zunehmend zum Gebirge. Gewaltige Industrieanlagen prägen nun das Landschaftsbild, auch solche, die nicht mehr in Betrieb sind. In Goclaw, ein Vorort von Stettin, legen wir einen Stop ein. In diesem kleinen Sportboothafen herrscht reger Betrieb. Vieler Segler aus dem Berliner Raum machen hier Station um den Mast zu stellen und das Boot für den bevorstehenden Ostseetörn vorzubereiten. Wir sitzen genüsslich bei einem kühlen Bier in der ersten Reihe des „Hafenkinos“.

Auch an den neuen Geräuschpegel haben wir uns, wenn auch widerwillig, schnell gewöhnt. In Goclaw ist die Endstation der Stettiner Straßenbahn. Eine Fahrt mit dieser Straßenbahn, russischer Baukunst, ist ein wahres Erlebnis, das man sich unbedingt gönnen sollte. Mit rasanter Geschwindigkeit erreicht man schon nach kurzer Fahrtzeit das Zentrum der Stadt, wenn man es denn überlebt. In Deutschland würden solche abenteuerlichen Schienenfahrzeuge allenfalls im Museum bestaunt werden. Die Wohnverhältnisse entlang der Straßenbahntzrasse und in den kleinen Gassen sind auch hier erschütternd. Wie gut haben wir es doch zu Hause.



Stettin, eine Stadt im Wandel

Endstation unserer Tour ist der Stadthafen von Stettin. Der weitere Oderverlauf und die vielen Brücken mit geringer Durchgangshöhe können nur ohne Mast passiert werden. Stettin ist auch zugleich der verabredete Punkt für den bevorstehenden Crewwechsel. Meinen Sternekoch (träume heute noch von der Fischsuppe, Siggi …) tausche ich gegen drei reizende Damen ein (das hat doch auch was!). Da muss das Boot nach einer Woche Männerwirtschaft natürlich glänzen, und das tut es dann auch. Kurzfristig haben sich unsere Mädels Christiane und Inga zu Angelika gesellt um uns eine Woche zu begleiten. Die interessante Geschichte der Stadt einerseits und das tolle Shopping-Paradies anderseits plus gratis Essen und Wohnen bei „MaPa“ waren wohl zu verlockend. Die Gegensätze haben es in der Tat in sich. Inga hatte sich schon aus dem verträumten Flensburg per World-Wide-Web in das „GALAXY“, dem gigantischen Shoppingcenter von Stettin, gebeamt und spielt so ihr „Heimvorteil“ aus.

Chrissi war dagegen mit der Geschichte der Stadt und des Landes ganz gut vertraut und stimmte uns auf die „Rote Route“ ein. Etwa vier Stunden benötigt man für einen historischen Rundgang endlang dieses roten Wegweisers, eine tolle Sache. Vom Hafen aus gelangen wir direkt zum beliebten Treffpunkt früherer Zeiten, den Haken-Terrassen. Eine majestätische Kulisse bilden direkt dahinter Nationalmuseum, Seehochschule und Theater mit herrlichem Ausblick auf das gegenüberliegende Ufer der Oder. Entlang der alten Stadtmauer erreichen wir die mächtige St.-Jakobi-Kathedrale und das Schloß der Pommernherzöge mit einem imposanten Innenhof. So ganz nach meinem Geschmack ist das sehr gut erhaltene Postamt im neogotischem Stil, dort kann man auch heute noch Briefmarken kaufen. Am gut markierten Geschichtspfad der Stadt liegen etwa 40 interessante Bauten. Hinweistafeln informieren mehrsprachig über Details. Um Schwiegermutters alte Heimatadresse in der Falkenwalderstraße ausfindig zu machen, müssen wir zwischen dem alten Berliner Tor und dem Königstor kurz die vorgegebene Route verlassen. Wir machen jede Menge Beweisfotos für sie und freuen uns auch über ihre Vergangenheit zu erfahren.

Das I-Tüpfelchen befindet sich jedoch in einem modernen Neubau direkt neben dem GALAXY. Der Fahrstuhl katapultiert uns in Sekundenschnelle in den 22. Stock des „Cafe 22“. Hier genießen wir nicht nur Kaffee und Kuchen, sondern auch das herrliche Panorama der Stadt und des Umlandes. Vor den Toren der Stadt ist auch der neue bunte Einkaufspark und das wachsende Gewerbegebiet nach mitteleuropäischem Maßstäben als Kontrast zu den ansonsten grauen Schlichtbauten gut zu erkennen. Am Hafen sagen großflächige Plakate vielversprechend die Zukunft voraus: „Floating garden Szczecin 2050 Project“. Bevor wir Stettin den Rücken zukehren, lassen wir uns noch kulinarisch verwöhnen. Die beste Adresse ist gerade gut genug für uns – die Haken-Terrasse. Zum Schluss ein Beweis, dass man in Polen gut und sehr preiswert essen kann. Für vier unterschiedliche Gerichte sind wir mit umgerechnet 25 Euro dabei, einschließlich der Getränke versteht sich.

Auf dem Rückweg nach Deutschland machen wir noch mal Boxenstop in Ziegenort. Wir legen die letzten Zlotys in Diesel an. Inga und Chrissi erkunden die Provinz mit dem Rad. Derweil zeige ich Angelika die vielfältigen Einkaufsmöglichkeiten auf dem Lande. Schade, ihr Bedarf ist gedeckt… Ueckermünde ist unser erstes Ziel jenseits der Grenze. Doch zuvor erleben wir das Haff dann aber doch noch von seiner rauen Seite. Es verabschiedet uns mit einer steifen Brise aus West und der besagten kurzen ruppigen Welle. Schön ist was anderes. Bei dem Wetter werden die vielen ausgelegten Reusen und Stellnetze zu einem Hindernisparcour. Einem großen holländischen 50-Füßer werden sie sogar zum Verhängnis, Abschlepphilfe ist schon in Sicht. Fischernetze und Schiffsschrauben vertragen sich offensichtlich nicht so gut. Wir nehmen die Warnung wohlwollend auf und passieren mit etwas Haffwasser in den Haaren die immer noch gut erkennbare deutsch-polnische Grenze. Nur das Wachboot vergangener Tage liegt nicht mehr an Tonne 17.


20 Jahre nach der Wende

Vor 20 Jahren sah es in den neuen deutschen Bundesländern vielerorts so aus, wie heute in Polen. Was sich in der Zeit alles getan hat, erleben wir im weiteren Verlauf unseres Törns. So auch in dem kleinen schmucken Städtchen Ueckermünde, dass sich für das bevorstehende 750. Jubiläum besonders herausgeputzt hat. Hier gefällt es uns auf Anhieb. Sanft eingebettet in die Ueckermünder Heide, mit reichlich Waldbestand, bieten sich dem Erholungssuchenden vielfältige Möglichkeiten. Hektik findet wo anders statt. Das alte Schloss gefällt uns ebenso wie die zahlreichen kleinen Backsteinhäuser. Überall in der Stadt, wie auch im Hafenbereich, sind umfangreiche Renovierungsarbeiten unübersehbar. Alles ist topp in Schuss. Es verleitet uns zum Bleiben, doch unser Zigeunerleben treibt uns weiter. Wir fahren die Uecker zurück und stoßen bei der künstlich angelegten „Lagunenstadt“ mit Vorzeigestrand wieder ins Haff.

Auch Mönkebude soll sehr hübsch sein, doch alles kann man nicht haben. Unser Programm ist schon sehr bunt und facettenreich. So nehmen wir endgültig Abschied vom Haff. Der flache, gut betonnte Peenestrom führt uns gen Norden. Wir halten uns strikt an die Betonnung und haben dennoch einige Male nur wenige Zentimeter Wasser unterm Kiel. Mit den Brückenöffnungszeiten sollte man sich rechtzeitig vertraut machen, zumal wir Flensburger mit Egernsund und Sonderborg sehr verwöhnt sind. Die erste Klappbrücke in Zecherin erreichen wir nach knapp drei Stunden Fahrtzeit. Schon 20 Minuten später können wir sie passieren, gut getimet. Der Wind bläst moderat aus südwestlicher Richtung. So genießen wir im Pulk mit einigen weiteren Booten die Ruhe und die schöne Natur. Vorbei am Achterwasser und der Krumminer Wiek verjüngt sich das Fahrwasser wieder und endet vorerst in Wolgast. Die nächste Brückenöffnung ist in 2 ½ Stunden. Zeit genug in diesem schönen Örtchen festzumachen und die Backkunst der hiesigen Bäcker zu prüfen. Doch damit nicht genug, bei meinen Mädels ist offensichtlich so etwas wie Shoppingfieber ausgebrochen. Welch heimtückische Krankheit! Unter diesen Bedingungen ist irgendwann jedes Boot zu klein. Ich bevorzuge bei diesem herrlichem Sommerwetter den Outdoorbereich und stelle anschließend beim Passieren der Brücke fest: Die Durchfahrt ist zwar kostenlos, aber die Wartezeit kann richtig teuer werden. Entlang dem Peenestrom liegen viele Häfen, die zum Übernachten einladen. Vor der Einfahrt nach Karlshagen, im Norden der Insel Usedom, sind wir noch etwas unschlüssig, doch die nächste Marina in Kröslin ist dann unsere.

Der nächste Tag beschert uns wieder offenes Gewässer. Durch den Greifswalder Bodden geht es zur Südspitze Rügens. In Gager Port machen wir fest und sind erneut von der Schönheit und Vielfalt dieser Insel begeistert. Nicht nur beim Königsstuhl geht’s hoch her (160 Meter), hier am Mönchgut ragen der Kleine und der Große Zicker in den Himmel. Einen besonders schönen Ausblick mit fantastischem Sonnenuntergang erleben wir auf dem Bakenberg.

Gerne hätten wir noch einen Abstecher zur Insel Vilm, dem ehemaligen Urlaubsdomizil von Honecker und seinem Gefolge, gemacht. Doch Vilm darf, wie auch die Greifswalder Oie, nur im Notfall von Sportbooten angelaufen werden. So zieht es uns direkt nach Stralsund. Begleitet werden wir, sehr zu unserem Leidwesen, von Tausenden von Schwebefliegen. Leider ist diese Tiergattung sehr, sehr anhänglich. Erst ein kräftiges Gewitter mit starkem Regenschauer verjagt diese aufdringlichen Biester. Gerade noch rechtzeitig hatten wir die Segel vor dem plötzlichen Wetterumschwung geborgen. Zwanzig Minuten später ist der Spuk aber schon wieder vorbei. Der Wind hat auf Nordwest gedreht und so motoren wir die restlichen Meilen bis zur Klappbrücke im Strelasund. Die Wartezeit beträgt diesmal eine Stunde – ohne Einkaufsmöglichkeiten. Dann beginnt ein Run auf die wenigen Restplätze im City-Hafen, wie ich es noch nicht erlebt habe. Aus der Poolposition heraus gelingt es uns dann auch irgendwie Landverbindung herzustellen.



775 Jahre Stralsund

Das bevorstehende Wochenende steht ganz im Zeichen der Wallensteintage und der 775. Jahrfeier mit viel mittelalterlichem Spektakel. Und somit ist es mit der Ruhe vorerst vorbei. Ein großer mittelalterlicher Festumzug mit viel Klamauk steht neben vielen anderen Aktivitäten auf dem abwechslungsreichen Programm. Die Stimmung in der Hansestadt ist gut. 60.000 Stralsunder und viele, viele Gäste feiern nach alt hergebrachter Tradition vier Tage lang dieses historische Fest. So geraten die vielen Sehenswürdigkeiten fast ins Abseits. Für das deutsche Meeresmuseum, dem OCEANEUM, nehmen wir uns dennoch Zeit. Zwischen dem neuen und dem alten Markt, mit der Nikolaikirche und dem Rathaus, in schönster Backsteingotik, fügt sich die Shoppingmeile ein. Der Wiederaufbau der Stadt wurde mit viel Liebe zum Detail vollzogen, mir gefällt es. Eine gelungene Symbiose, die Geschichte und Neuzeit verbinden. Die historische Altstadt mit dem Heilgeist- und Johanneskloster gehört übrigens zum UNESCO-Weltkulturerbe. Ein Beweis mehr für so viel Geschichte. „Das Land des Lächelns“ von Franz Lehar hätte den Besuch in dieser schönen Stadt noch abgerundet, doch die nächste Vorstellung auf der Seebühne läuft leider erst in einigen Tagen.

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Inga und Chrissi nehmen nun wieder Kurs Heimat - mit der Bahn. Wir setzen uns derweil in den Bus und nutzen den Tag für einen Besuch bei Freunden in Devin. Auch wir haben inzwischen Besuch bekommen. Die Miriam aus Flensburg hat an unserem Steg festgemacht. Mit Elke und Manni gibt es dann auch viel zu bequatschen und auch ein paar gemeinsame Unternehmungen. Schön, wenn man Freunde trifft.


Auf’m Darß

Unser nächstes Ziel ist der Darß. Beim Auslaufen bewundern wir noch mal die hier fest stationierte alte Dreimastbark „Gorch Fock“. Mit frischer Brise sind wir schon bald im Fahrwasser Richtung Barhöft - fast. Denn genau so schnell ist die Fahrt zu Ende bzw. unterbrochen. Noch bevor wir die Fahrrinne erreichen, liegen wir hoch und trocken. Und dabei war ich mit größtem Respekt und gut vorbereitet an dieses anspruchsvolle Teilstück herangegangen. Mit eigener Kraft kommen wir nicht frei. Um so mehr freuen wir uns über die Hilfe der „Comoran“ aus Heiligenhafen. Die HR29 sorgt per Großfall für zusätzliche Krängung. Und so überwinden wir mit geringer Motorunterstützung die nur zwei fehlenden Schiffslängen bis zum Tonnenstrich. Wir sind erleichtert. Danke an die „Comoran“ und auch an Manni, der sich bereits auf den Weg gemacht hatte. Bei diesem Zwischenfall blieb es dann auch in den flachen Boddengewässern.

Zum Nachmittagskaffee machen wir in Barth fest. Angeblich soll es hier mal die versunkene Stadt Vineta gegeben haben. Unser Interesse gilt jedoch den realen Gegebenheiten dieser Kleinstadt und des naturbelassenen Umlandes am Bodstedter Bodden. Bestens geeignet für den Einsatz unserer Bordräder. Am Abend gibts dann leichte Kost im kleinen Stadttheater. „Weiberklatsch“ ist hier das Thema. Ist zwar keine romantische Operette auf der Seebühne, dafür amüsieren wir uns köstlich und haben allergrößte Hochachtung vor dem enthusiastischen Einsatz der Laienschauspieler.

Weiter gehts nach Zingst. Mit dem Bug im Schilf fühlen wir uns auf unserem neuen Liegeplatz gut aufgehoben. Auch hier sind die Fahrräder ein absolutes Muss. Über gut ausgebaute Radwege erreichen wir schon bald die Sundischen Wiesen im Nationalpark Vorpommerns. Wir staunen über die vielen Renaturierungsmaßnahmen und die gewaltigen Erdbewegungen zum Schutz gegen die Sturmflut. Als besonderes Naturschauspiel gilt hier die alljährliche Rast von abertausend Kranichen auf ihrem langen Weg nach Skandinavien bzw. zurück in den Süden. Für ein außerplanmäßiges Naturschauspiel sorgen in diesem Jahr Millionen von Marienkäfern. Einzeln mögen sie ja ganz niedlich und friedsam sein, aber in der Menge entwickeln sich die kleinen Biester zu angriffslustigen Flugobjekten. Dagegen bleiben wir während des ganzen Urlaubs mückenfrei, ist doch auch was!

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Von der Halbinsel Zingst geht es weiter westlich auf den Darß. In dem beschaulichen Örtchen Prerow ist die Welt noch in Ordnung, so scheint es auf den ersten Blick. Doch hinter den Kulissen brodelt es mächtig. Politiker und Naturschützer liegen sich in den Haaren. Stein des Anstoßes ist die Versandung des Hafens Darßer Ort. Zurzeit kann der Hafen nicht angelaufen werden, auch nicht von Rettungskreuzern, die hier jahrelang ihren Heimathafen nahe der vielbefahrenen Kadetrinne hatten. Die einen wollen baggern und das alte Hafenbecken erhalten, die anderen wollen einen Ersatzhafen in Prerow und eine dritte Meinung lautet: alles der Natur überlassen. Eine Einigung ist nicht in Sicht (letzte Meldung: ab 2010 soll der Seenotrettungskreuzer der DGzRS dort angeblich wieder auf Position gehen, schauen wir mal …). Wir arbeiten uns mit dem Rad bis zum Leuchtturm vor. Dort erkunden wir nach einer kleinen Rast das schöne Fleckchen Erde ausgiebig zu Fuß. Von den Dünen genießen wir den schönen Ausblick aufs Meer. Viele Segelboote dümpeln in der Flaute vor sich hin. Die Wasseroberfläche wirkt wie in Blei gegossen. Zum nächsten Hafen sind es in östliche wie auch westliche Richtung jeweils 30 Seemeilen. Unter diesen Umständen fühlen wir uns an Land ganz gut aufgehoben. Auch, wenn wir unter der sengenden Hitze leiden. Abends fallen wir todmüde aber glücklich in die Koje. Ein ganz besonderes Flair hat der Ort Zingst zu bieten. Wasser nach beiden Seiten und dazwischen ist alles sehr hübsch und gepflegt angeordnet. Es gefällt uns und offensichtlich auch vielen anderen Touristen, die jedes Jahr wieder hierher kommen.


Und noch mal Rügen

Wir haben sie nicht gezählt, die vielen Tonnen, die uns den Weg durch das unwegsame Boddengewässer nach Rügen zeigen. Ohne diese Hilfsmittel und exakte Navigation hätten wir unser Tagesziel wohl kaum erreicht. Mit gutem Schiebewind aus SW laufen wir nach vier Stunden und 25 weiteren Meilen auf der Logge im Norden des Wieker Boddens den kleinen Hafen Wiek an. Ich staune nicht schlecht, als wir beim Anlegen namentlich angesprochen und herzlich begrüßt werden. Bekannte aus der Kindergartenzeit unserer Kinder sind hier gerade mit ihrem Wohnmobil unterwegs. Seitdem hatten wir uns aus den Augen verloren. An den Bootsstegen kommt es immer wieder zu netten Bekanntschaften. An Gesprächsstoff fehlt es nicht. Von besonderem Interesse sind die Segler-Anekdoten der Ex-DDRler aus vergangenen Zeiten. Segelboot und -berechtigung „erdienten“ sich damals nur wenige Privilegierte. Das Zauberwort lautete „PM18“. Diese Sondererlaubnis ermöglichte überhaupt erst das Küstensegeln. Aber zurück nach Wiek und der Banzer Heider, die uns zu einem ausgiebigen Spaziergang einlädt. Auch Surfer und Kiter kommen an diesem Küstenstrich voll auf ihre Kosten. Außer auf der Speisekarte entdecken wir auf dieser Ecke Rügens keine weiteren Besonderheiten. So setzen wir unsere endoskopische Reise durch die inneren Gewässer Rügens bis zum Ende des Großen Jasmunder Boddens fort, mit freundlicher Unterstützung aus NW. Ganz im Süden des Boddengewässers erwartet uns dann ein weiteres Highlight auf unserer Tour, Ralswiek.

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Wie in einem Märchenbuch lacht uns dieser kleine malerische Ort, umgeben von Wald und saftigen Wiesen, schon von weitem an. Die Kulisse der Störtebecker-Festspiele, mit dem Schloss Ralswiek und den vielen kleinen Reeddachhäusern, machen das Märchen perfekt. Und mittendrin machen wir in dem idyllischen Hafen mit unserer „Chinta“ für ein paar Tage fest. Wenn der Seeräuber Klaus Störtebecker sich Tag für Tag ankündigt, ist dieser beschauliche Ort für einige Stunden in Touristenhand. Auch wir lassen uns dieses Schauspiel nicht entgehen. Wir haben Glück und bekommen an der Abendkasse für „Das Vermächtnis“ noch zwei gute Plätze. Die vielen vierbeinigen Akteure schauen wir uns am nächsten Tag auf unserem Spaziergang in dem gepflegten Reitstall und auf den Pferdekoppeln noch etwas genauer an. Das Schloss bietet heute eine Bleibe für betuchte Gäste. Es ist eingebettet in eine wunderschöne Parkanlage mit altem Baumbestand. Schließlich sticht uns die kleine 100 Jahre alte Holzkapelle noch ins Auge. Die geplante Umrundung des Kleinen Jasmunder Bodden endet bereits in Lietzow. Die Rad- und Wanderwege entlang dem See entsprechen leider nicht unseren bescheidenen Ansprüchen. Sie endeten auch schon mal im Sumpf oder an den Bahngleisen. Also zurück in unsere kleine „Märchenstadt“.


Das Beste zum Schluss

Wir verlassen das Kleinod der südlichen Ostsee nur widerwillig. Doch eine ganz besondere Perle dieses schönen Segelreviers erwartet uns noch. Um auf Hiddensee einen Hafenplatz zu ergattern, brechen wir früh auf. So freuen wir uns über die ersten Boote, die uns gegen zehn Uhr aus Vitte entgegenkommen. Dennoch, ein freundlicher Empfang ist es nicht gerade. Regen mit strammen Wind aus NW vermasselt uns die Party. Schnell die Kuchenbude raus, ein zweites Frühstück zubereitet und dann ab in die Koje. Bei unserem Landgang am Nachmittag sieht die Welt bzw. die Insel mit den ersten Sonnenstrahlen dann schon wieder ganz anders aus. Dass Hiddensee, mit über 2.000 Sonnenstunden im Jahr, der sonnenreichste Ort Deutschlands ist, macht uns Mut. Da steht einer Erkundung der 16 km langen Insel ja nichts mehr im Wege. Rad oder Pferd ist hier die Frage. Autos sind in dieser schönen Heide- und Dünenlandschaft eh verboten.

Wir satteln, wie gewohnt, die Räder und nehmen uns zunächst den Süden und dann den Norden vor. Zwischen Neuendorf und Gellen ist die Insel gerade mal 250 Meter schmal. Wir halten die Zunge gerade, um auf dem Trockenen zu bleiben. Der Rückweg führt uns im nördlichen Teil direkt am Strand entlang nach Kloster. Auf der einen und anderen Bank verweilen wir und genießen alles um uns herum einfach nur - natürlich scheint die Sonne! Man könnte es auch Urlaub nennen. Zu dieser schönen Insel und insbesondere nach Kloster hat es in früheren Zeiten schon so manchen Künstler gezogen. Auch Albert Einstein ließ sich hier inspirieren. Ein ganz besonderes Verhältnis zur Insel hatte der Dichter Gerhard Hauptmann. Sein Haus in Kloster wurde längst zum Museum umgewidmet. Wo die Wege schlechter werden und die Berge höher, lassen wir unsere Räder zurück. Hoch oben auf dem Dornbusch genießen wir aus 70 Meter Höhe den fantastischen Ausblick. Beim Blick aufs weite Meer erinnere ich mich an unsere stürmische Überfahrt vor einigen Wochen. Wir lassen uns hier oben viel Zeit und wählen schließlich den etwas längeren Rückweg über Grieben. Die Hafenidylle von Kloster lassen wir uns natürlich auch nicht entgehen.

 

Noch einen Ruhetag und dann geht es wieder Richtung Heimat. Der direkte Weg ist nicht immer der einfachste oder gar der schönste. Außerdem ist für uns Urlaub ohne Dänemark kein Urlaub. Also Kurs Smaland. Doch der Osten lässt uns nicht ohne weiteres los, wir haben kaum Wind. Mit Motorkraft und viel Geduld erreichen wir schließlich Habölle auf Mön. Durch den Grönsund und das Smaland-Fahrwasser geht es dann mit moderatem Wind nach Karrebaeksminde auf Seeland. Der kleine Abstecher hat sich wirklich gelohnt. Ich frage mich nur, warum wir noch nie hier waren. Unzählige Finnjollen, die an der dänischen Meisterschaft teilnehmen, beleben das Hafengeschehen. Mit den Rädern fahren wir entlang der wunderschönen Fjordlandschaft in das naheliegende Städtchen Naestved. Dann kommt aber doch Endspurtstimmung auf. Laut Seewetterbericht soll das Wetter in den nächsten Tagen umschlagen. Wir wollen uns den schönen Urlaub zum Schluss nicht noch verderben und machen uns auf den Weg – Kurs West. Meine Lieblingscousine Lore in Dagelökke besuchen wir dennoch. Sonst hätte sie mich in ihr Abendgebet nicht mit eingeschlossen. Und so erreichen wir noch halbwegs trocken mit etwas Wind auf die Nase unseren Heimathafen Flensburg.


Und hier nun das Allerbeste, Fischsuppe a la „Chinta“

Zutaten (für 4 Personen):

1 mittelgroße Zwiebel

150 g Karotten

1 Stange Porree

50 g Sellerie

300 g Kartoffeln (festkochend)

1 kl. Bund Petersilie

150 g Speck geräuchert

150 g Garnelen oder Krabben geschält und gewürzt

500 g Seelachsfilet oder Pangasiusfilet

ca. 1 L Gemüsebrühe

Trockenen Sherry oder einen guten Weißwein (nach Geschmack)

Sonnenblumen- oder Rapsöl

Weiß- oder Baguettebrot

Zubereitung:

Das Gemüse waschen, putzen und in kleine Würfel schneiden.

Den Speck ebenfalls in kleine Würfel schneiden.

Die Zwiebel schälen und in feine Scheiben schneiden.

Das Fischfilet kurz unter fließendem Wasser abspülen und gut abtrocknen

und in etwa 1 cm große Würfel schneiden.

Die Garnelen mit dem Speck in einem Topf anbraten.

Danach die Garnelen aus dem Topf nehmen und auf einem Teller beiseite stellen.

Nun die Zwiebeln zu dem Speck geben und leicht gebräunt anbraten

und alles mit Gemüsebrühe ablöschen und aufkochen lassen.

Wenn das Gemüse und die Kartoffeln noch „Biss“ haben,

das Fischfilet und die angebratenen Garnelen hinzugeben.

Kurz aufkochen lassen und mit Pfeffer, Salz und etwas Sherry abschmecken.

Fertig – mit frischem Weiß- oder Baguettebrot in einer Suppenschale servieren.

Das ganze mit einem Glas Weißwein genießen – guten Appetit!

 

Friedrich Thordsen

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